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Preisverfall: Ferkel ab einem Euro

Norddeutsche Bauern klagen über hohe Futterkosten und Überproduktion in der Schweinezucht - mit weitreichenden Folgen. Mittlerweile seien die Ferkel schon für einen Euro auf dem Markt erhältlich.

Babyferkel für einen Euro: Norddeutsche Bauern klagen über einen Preisverfall in der Schweinezucht. "Wenn sich der Markt nicht schnellstens dreht, laufen unsere Sauenbetriebe ins Aus", sagt Otto-Dietrich Steensen, Präsident des schleswig- holsteinischen Bauernverbands. Wegen der Überproduktion und der Konkurrenz aus dem Ausland müssten Landwirte ihre Ferkel unter Wert verkaufen, selbst ein Preis von einem Euro für ein Babyferkel sei keine Seltenheit mehr. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, mit China und anderen asiatischen Ländern ein Abkommen abzuschließen und den Weg für den Export freizumachen. Das Kieler Landwirtschaftsministerium bestätigt die brenzlige Situation für die Landwirte.

Die Ställe sind randvoll mit Ferkeln, nicht nur in Schleswig- Holstein, sondern bundesweit. "Die Probleme sind dramatisch, es trifft weniger die Mastbetriebe als vielmehr die Ferkelerzeuger", sagt Ulrich Goullon, Vieh- und Fleischreferent beim Bauernverband. "Viele Landwirte werden die Jungtiere einfach nicht los, in ihrer Not verschleudern sie die Ferkel als Spanferkel." Ein Hauptgrund liegt in den explodierenden Getreidepreisen. Dadurch sind die Futterkosten der Landwirte bis zu 70 Prozent gestiegen.

"Das Fleisch ist zu billig und das Futter zu teuer. Wir können nicht mehr kostendeckend arbeiten", sagt Landwirt Dieter Pulvermann aus Bahrenhof (Kreis Segeberg). Der Preis von 1,30 Euro pro Kilo Schlachtgewicht müsse auf etwa 1,65 Euro steigen, um sich der neuen Situation anzupassen. "Wir hatten noch nie einen solchen Druck der Produktionskosten", klagt Pulvermann. Für ein marktfähiges 28-Kilo- Ferkel liegt die Notierung an den Bauernmärkten derzeit bei 30 Euro. Um die Futterkosten wieder hereinzubekommen, bräuchten die Bauern in der Schweinezucht aber mindestens 40 Euro. Um kleine Gewinne zu erzielen, müssten 65 Euro in die Kasse kommen. "Die Situation ist ruinös", sagt Pulvermann.

Preisdruck an Ferkelzüchter weitergegeben

Weil die Mäster ihre Preise bei der aktuellen Marktsituation nicht den hohen Futterkosten anpassen können, geben sie den Preisdruck an die Ferkelzüchter weiter und haben die Preise von 55 auf 30 Euro für markfähige Ferkel gedrückt. Pulvermann hat in Bahrenhof 1200 Ferkel im Stall, 5500 davon verkauft er pro Jahr. Weil er selbst auch mästet, ist er nicht so sehr von der Not vieler Schweinezüchter betroffen. "Aber als Vorsitzender der Schweinespezialberatung bekomme ich die großen Sorgen unmittelbar mit", sagt der 49-Jährige.

Das Landwirtschaftsministerium in Kiel verweist darauf, dass den Bauern in dieser Notsituation mit günstigen Krediten der Landwirtschaftlichen Rentenbank geholfen werden könne. "Wir unterstützen natürlich auch die Forderung nach einer Öffnung für die asiatischen Märkte", sagt Ernst-Michael von Abercron, Leiter des Büros von Landwirtschaftsminister Christian von Boetticher (CDU). Im sogenannten Schweinezyklus tauche das Problem des Preisverfalls für Schweine immer wieder auf, durch die hohen Getreidepreise seien die Bauern dieses Mal aber besonders hart betroffen.

Hoffnung auf eine rasche Besserung der Situation ist zur Zeit nicht in Sicht. Im September waren laut Bauernverband Gespräche zwischen deutschen und chinesischen Veterinärs-Fachleuten von deutscher Seite abgebrochen worden. "Mit den derzeitigen Spannungen im deutsch-chinesischen Verhältnis kann das eigentlich nichts zu tun haben", sagte Goullon. "Wir hoffen auf eine schnelle Lösung, sonst ist die Existenz vieler Bauern in der Schweinezucht bedroht."

DPA / DPA
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