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Nationalgericht Kimchi-Krieg: Die Kulturfehde zwischen China und Südkorea geht in die nächste Runde

KImchi im Glas
Kimchi Jjigae ist ein Eintopf der koreanischen Küche.
© Getty Images
Wer Kimchi sagt, muss auch Südkorea sagen. Oder? Die Chinesen sehen das anders. Seit Jahrzehnten streiten sich die Nationen um das fermentierte Gemüse. Ein neuer Name soll's nun richten.

Es ist ein Streit, der schon lange gärt. Kimchi ist das Nationalgericht der Südkoreaner, aber auch die Chinesen mischen bei der Fermentation ordentlich mit. In Südkorea sieht man das Kulturgut zunehmend in Gefahr, fürchtet, dass der große Nachbar die "Kimchi-Weltherrschaft" an sich reißen wolle, wie Medien des Landes berichteten. Nun werden einmal mehr die behördlichen Messer gewetzt. Der neueste Schachzug Südkoreas: eine Namensänderung.

So gab das dortige Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus bekannt, einige Bezeichnungen für koreanische Lebensmittel anpassen zu wollen – auch für Kimchi. Fortan solle "Xinqi" die neue , offizielle chinesische Bezeichnung für Kimchi sein und die alte Bezeichnung "Pao Cai" ablösen. Das Wort setzt sich aus den beiden Schriftzeichen "Xin", das übersetzt würzig bedeutet, und "Qi", das mit einzigartig übersetzt werden kann, zusammen. Mit der Umbenennung sollen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Zum einen klingt Xinqi annähernd wie Kimchi, zum anderen will man so eine deutliche Trennlinie zwischen dem koreanischen Kimchi und der chinesischen Variante von eingelegtem Gemüse, das dort eben Pao Cai, genannt wird, gezogen werden.

Es ist bereits der zweite Versuch Südkoreas diesen Namen zu etablieren. Schon 2013 wagte das Landwirtschaftsministerium einen solchen Vorstoß, nachdem die Importe von Kimchi-Produkten aus China extrem zugenommen hatten. Allein zwischen den Jahren 2007 bis 2011 stiegen diese um mindestens das Zehnfache. Doch der Name setzte sich nicht durch, die Gegenwehr aus China war groß. Und so kam es zur Rolle rückwärts.

Ein Tauziehen

Einen neuen Namen konnten die Südkoreaner zwar nicht etablieren, sie errangen 2013 aber einen anderen Erfolg. Die traditionelle Herstellungsweise von Kimchi sowie das traditionelle Teilen der Speise, genannt "Kimjang",  wurde zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und damit offiziell zu einem Kulturgut Koreas. "Kimchi ist das Nationalgericht Südkoreas, nicht nur, weil die Koreaner es zu fast jeder Mahlzeit verzehren, sondern auch, weil es das bekannteste koreanische Essen in der Welt ist", erklärt Elaine Chung, Dozentin für Chinastudien an der Universität Cardiff und Forscherin für Ostasienwissenschaften, "CNN". Dass die Regierung nun den Namen ändere, sei als ein Zeichen an die südkoreanische Bevölkerung zu verstehen, dass um die Eigentumsrechte an Kimchi gekämpft werde.

Das Südkorea nun erneut Krallen zeigt, ist eine Reaktion auf etliche Spitzen, die China Ende vergangenen Jahres abfeuerte. So berichteten etliche chinesische Medien, dass die Internationale Organisation für Normung (ISO) China ein Zertifikat für Kimchi-Produkte erteilt habe. Verkauft wurde das in der Volksrepublik als Zeichen dafür, dass China mittlerweile führend in der Kimchi-Industrie sei. "Der so genannte 'Kimchi (Pao Cai)-Herrscherstaat' existiert seit langem nur noch dem Namen nach", schrieb beispielsweise die "Global Times". In Südkorea zeigte man sich empört,. Der Vorwurf, die Chinesen schickten sich an, ihnen das Nationalgericht zu stehlen, machte die Runde.

Das südkoreanische Landwirtschaftsministerium watschte daraufhin China mit einer Klarstellung ab. Die ISO-Zertifizierung habe nichts mit Kimchi zu tun, hieß es darin.  Tatsächlich geht es in der Zertifizierung um Pao Cai, nicht um Kimchi, was die ISO so auch eindeutig festschrieb. Es sei unangemessen über diese Zertifizierung zu berichten, ohne dabei Kimchi und Pao Cai klar voneinander zu unterscheiden, so das südkoreanische Landwirtschaftsministerium. In China bezeichnete man das als Haarspalterei. Und verwies zudem auf die Janusköpfigkeit der Nachbarn. Schließlich importierten diese chinesische Kimchi-Produkte in Massen.

Was ist Kimchi, was Pao Cai?

Die Bezeichnung Kimchi steht in der koreanischen Küche für eine Vielzahl verschiedener Gemüsegerichte, welche die Fermentation miteinander gemein haben. In erster Linie ist mit Kimchi fermentierter Kohl gemeint, der mit verschiedenen Gewürzen wie  Chili und Ingwer gewürzt wird. Es kann beispielsweise aber auch Rettich verwendet werden.

Der chinesische Begriff Pao Cai bedeutet übersetzt so viel wie "eingeweichtes Gemüse". Gemüse wie Kohl wird dabei in einer Salzlösung mit Gewürzen in Einmachgläsern eingelegt, wo es bei Zimmertemperatur fermentiert. Aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Gerichte erhält das koreanische Gericht in China oftmals den Zusatz koreanisches Pao Cai.

Warum Kimchi nicht einfach Kimchi nennen? 

Der Vorstoß der südkoreanischen Regierung mit einem neuen Namen für mehr Klarheit zu sorgen, ist keiner, der im Land nur wohlwollend aufgefasst wird. Mit der Umbenennung verrate das Land ein Stück weit seine eigene Kultur, meinen manche. Schließlich biedere man sich mit der Umbenennung in "Xingpi" den Chinesen an. "Da Kimchi bereits international anerkannt ist, sollte die Regierung nicht einen chinesischen Begriff erfinden, der den authentischen koreanischen Klang beeinträchtigt", so Chung.

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Das sieht auch Kim Byeing-gi, ein emeritierte Professor der koreanischen Jeonbuk National University, so. In einem Meinungsstück, das in "Korea Joongang Daily" erschienen ist, argumentierte er: "Es ist ein großer Fehler, dass die koreanische Regierung freiwillig einen bizarren Begriff – Xinqi – erfunden hat, um Kimchi zu bewerben und es von Chinas Pao Cai zu unterscheiden. Er kann die Bedeutung von Kimchi, einem stolzen Namen, der bereits in der ganzen Welt bekannt ist, schwächen".

Bindend ist die neue Bezeichnung für die südkoreanische Regierung und die angeschlossenen Organisationen. Das war's dann aber auch schon. Private Unternehmen des Landes können, müssen aber die Namensänderung nicht umsetzen - es ist nur eine Empfehlung. Gleiches gilt für chinesische Medien. 

Quelle: CNN, BBC, NZZ

tpo

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