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ProSieben: Interessenten stehen Schlange

Während mehrere ausländische Unternehmen sich für einen Kauf des Fernsehsenders ProSieben interessieren, bereiten Döpfner und Saban ein Krisentreffen vor.

Wegen des Widerstands des Kartellamts will der Springer-Verlag im Rahmen der Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 den Sender ProSieben verkaufen. Unterdessen interessieren sich mehrere ausländische Unternehmen für den Sender ProSieben und hätten sich bereits bei den Banken gemeldet, so die Nachrichtenagentur DPA. Es gebe auch bereits Sondierungsgespräche. Die Verhandlungen seien aber noch in einer sehr frühen Phase. Springer will im Rahmen der Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 wegen des Widerstands des Kartellamts den Sender ProSieben verkaufen.

Analysten hatten den möglichen ProSieben-Verkaufserlös in den vergangenen Tagen auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro geschätzt. Dem Vernehmen nach gehen die Beteiligten aber von einen deutlich höheren Preis aus. Nach gängigen Berechnungen komme man wegen der Ertragsstärke von ProSieben auf eine Bewertung des Senders von bis zu 2,4 Milliarden Euro. In jedem Fall würde sich die finanzielle Belastung für Springer bei einer Aufspaltung von ProSiebenSat.1 deutlich verringern.

Kartellamt bleibt bei vorherigem Verkauf von ProSieben hart

Der Springer Verlag kann nicht auf ein Entgegenkommen des Bundeskartellamts zählen. Im entscheidenden Streitpunkt beharren die Bonner Wettbewerbsaufseher auf ihrer Position. "Wenn ProSieben nicht vor Vollzug der Übernahme verkauft wird, ist eine Genehmigung definitiv nicht möglich", sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Springer hatte am Mittwochabend angeboten, auf den profitabelsten Sender der Gruppe zu verzichten, um ein Verbot des Kartellamtes abzuwenden. Allerdings sei dies aus wirtschaftlichen und steuerlichen Gründen erst binnen eines Jahres nach dem Kauf der Sendergruppe möglich.

Böge hält diese Forderung von Springer für inakzeptabel. "Möglicherweise entwickelt sich der Markt nach Vollzug der Übernahme ja so, dass der Verkauf von ProSieben dann gar nicht möglich ist", sagte er. Dann sei ein "aufwendiges und komplexes Entflechtungsverfahren für den Konzern notwendig".

Krisentreffen von Saban und Döpfner kommende Woche

Der US-Milliardär Haim Saban und der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, wollen sich einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge in der kommenden Woche treffen, um über einen möglichen Verkauf des Senders ProSieben zu beraten. Wenn der Deal nicht bis zum 23. Januar unter Dach und Fach sei, müsse Springer monatlich 25 Millionen Euro an Verzugszinsen aufbringen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Verlagskreise. Saban wolle möglichst schnell Geld sehen, da das Geschäft nach dem Veto der Aufsichtsbehörden nun aber nicht wie geplant zustande komme, werde neu verhandelt.

Saban habe zwar großes Interesse daran, dass es bei Springer bleibe, schreibt die Zeitung weiter. Vorsorglich sehe er sich allerdings auch nach anderen Interessenten um. Ab dem 5. März könnte Saban von dem Vertrag mit Springer zurücktreten. Als Interessenten nennt das Blatt neben dem französischen Fernsehkonzern TF1 auch die skandinavische SBS mit dem Finanzinvestor Permira im Hintergrund sowie den TV-Konzern CME des Parfüm-Erben Ronald Lauder. Als denkbar gelte auch die Variante, dass ein möglicher Käufer sich gleichzeitig um einen Einstieg beim Bezahlsender Premiere bemühe.

DPA / DPA