Studien- und Berufswahl In diesen MINT-Fächern bleiben Frauen eine Ausnahme

In vielen technischen MINT-Berufen sind Frauen weiter klar in der Unterzahl
In vielen technischen MINT-Berufen sind Frauen weiter klar in der Unterzahl
© Iparraguirre Recio / Getty Images
Frauen sind in den MINT-Studiengängen auf dem Vormarsch, verkündet das Statistische Bundesamt. Doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt: Das stimmt nicht wirklich.

Die berühmt-berüchtigten MINT-Fächer bieten gute Jobaussichten und gelten als Schlüssel für wirtschaftliche Innovation. Trotzdem sind alle Bemühungen, Frauen stärker für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, seit Jahren von mäßigem Erfolg gekrönt. Nur rund 16 Prozent aller Beschäftigten in MINT-Berufen sind weiblich, ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft vergangenes Jahr.

Nun gibt es scheinbar gute Nachrichten: "Immer mehr Frauen entscheiden sich für ein MINT-Studium", meldet das Statistische Bundesamt unter Berufung auf eine aktuelle Auswertung. Der Frauenanteil steige seit Jahren kontinuierlich, und im Studienjahr 2024 seien schon 36 Prozent aller Erstsemester im MINT-Bereich weiblich gewesen, schreiben die Statistiker – "ein neuer Höchststand".

Doch ein genauer Blick auf die amtlichen Zahlen lässt den vermeintlichen MINT-Vormarsch der Frauen zum Trippelschritt verkümmern. Zum einen ist der Frauenanteil binnen zehn Jahren genau genommen nur von 31,3 auf 35,5 Prozent gestiegen. Zum anderen haben – in absoluten Zahlen – zuletzt sogar weniger Frauen ein MINT-Studium begonnen als noch ein paar Jahre zuvor. Rund 113.000 weibliche MINT-Studienanfänger gab es 2024, in den Jahren 2017 bis 2019 lag die Zahl schon mal bei 115.000 bis 119.000.

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Große Unterschiede zwischen MINT-Fächern

Vielleicht ist es aber sowieso unsinnig, die Anzahl an Frauen und Männern in MINT-Fächern insgesamt zu vergleichen. Denn die Unterschiede zwischen den einzelnen Fächern sind gewaltig. So gibt es schon heute klassische MINT-Fächer, in denen Frauen eindeutig dominieren. Im Wintersemester 2024/2025 lag der Anteil der Studienanfängerinnen in Pharmazie bei 75 Prozent, in Biologie bei 71 Prozent und in Architektur bei 67 Prozent. Bei den Innenarchitekten waren die männlichen Erstis mit 13 Prozent sogar eine echte Rarität.

Umgekehrt gibt es zahlreiche – vor allem technische – Studienfächer, in denen Frauen nach wie vor kaum präsent sind. In Informatik ist weniger als jeder vierte Erstsemester weiblich (23 Prozent). Noch weniger sind es in Elektrotechnik (17 Prozent), Maschinenbau (15 Prozent) und Mechatronik (13 Prozent). Und in der Fahrzeugtechnik ist sogar nur jeder zehnte Ersti eine Frau. Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis nahe 50:50 findet man in den großen MINT-Fächern nur selten – Mathematik und Chemie sind hier die Ausnahmen.

Noch viel einseitiger als an der Hochschule ist das Bild bei den Auszubildenden in MINT-Berufen. Von allen MINT-Ausbildungsverträgen im Jahr 2024 entfielen laut Statistischem Bundesamt 88 Prozent auf Männer und nur 12 Prozent auf Frauen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich hier praktisch nichts verändert, damals lag der Frauenanteil bei 11 Prozent. Der Weg in Richtung einer höheren Frauenquote in MINT-Berufen bleibt offensichtlich steinig.

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