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ProSiebenSat.1: "Die haben Margen, dass es kracht"

Haim Saban schaut erst mal in die Röhre. Statt ProSiebenSat.1 mit sattem Gewinn an Springer zu verkaufen, sucht seine Investorengruppe jetzt nach einem neuen Käufer. Den Aktien seines Senders schadet das allerdings nicht.

"Ich fürchte, dass das Unternehmen zerschlagen wird", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Saban hielt sich erst einmal alles offen. "Wir werden weiter voranschreiten und alle unsere Optionen prüfen", teilte er am Mittwoch in Los Angeles mit. Aus Finanzkreisen sickerte allerdings durch, dass bereits Gespräche mit Interessenten stattfinden. Gewöhnlich laufe das so: Die obersten Chefs nehmen informell Kontakt auf, tauschen sich ein bisschen aus, dann werden weitere Personen hinzugezogen, um sich über Eckdaten zu verständigen - und wenn schließlich Finanzexperten und Anwälte die Bücher unter die Lupe nehmen, "geht es an die Öffentlichkeit, dann wird’s konkret".

Spekulationen treiben Kurse hoch

Auch die Börse rechnet fest damit, dass Saban verkauft. Der Aktienkurs ging am Mittwoch steil nach oben. "Die Spekulanten setzen darauf, dass der Kurs weiter hoch geht, wenn das Unternehmen zerschlagen wird", erklärte Bergdolt. Das sei zwar "eine ganz heiße Spekulation - niemand sollte sein Erspartes da rein setzen". Aber die Aktionärsschützerin vermutet, dass das Unternehmen erneut an einen Finanzinvestor gehe. "Mit einem Medieninvestor ist das nicht so einfach" - das habe sich jetzt gezeigt. Mit vorübergehenden Einsätzen in Medienunternehmen lässt sich offenbar gutes Geld verdienen.

Sabans Partner Providence etwa hat nicht nur in ProSiebenSat.1, sondern auch in Kabel Deutschland investiert. "Die haben Margen, dass es kracht", sagte ein Experte. "Der deutsche Medienmarkt ist für ausländische Investoren sehr interessant", sagte Professor Jo Gröbel vom Europäischen Medieninstitut: "Die wahrscheinliche Lösung wird eine ausländische sein." Signale von dem französischen Sender TF1 über NBC Universal oder der Kabelgesellschaft Wirecom bis hin zu Private Equity-Gesellschaften habe es ja schon gegeben.

Lieber Werbung als Pay-TV

Deutschland habe es "wieder einmal geschafft, eine deutsche Lösung zu verhindern", kritisierte der Medienwissenschaftler und riet, das staatliche Regelwerk zu überprüfen. Die USA verhinderten, dass ausländische Investoren die Mehrheit an ihren TV-Sendern übernähmen. Der deutsche Fernsehlandschaft werde sich ohnehin massiv verändern, sagte Gröbel. Kabelbetreiber machten den Sendern mit eigenen Pay-TV-Angeboten wie jetzt bei der Bundesliga Konkurrenz, die Telekom steige über Internet und Handy ein, mit Festplattenrecordern ließen sich Werbeblöcke im Fernsehen einfach überspringen - da sei einiges im Fluss.

"Es gibt mehr Konkurrenz", sagte der Medienanalyst Wassili Papas von Union Investment. Die bisherigen Geschäftsmodelle seien nicht mehr so sicher, alle seien am Experimentieren. Die Frage sei, ob der Zuschauer lieber Werbung akzeptiere oder für Inhalte zahle. "Die große Mehrheit ist nicht bereit, für Inhalte zu zahlen", sagte Papas. "Ich glaube schon, dass werbefinanziertes Fernsehen eine Zukunft hat." Aber ein Teil der Zuschauer sei sicher bereit, mal zwei Euro für eine Sendung in HD-Qualität ohne Werbung zu zahlen. Die TV-Sender müssten sich neben der Werbung weitere Standbeine suchen und in die neuen Medien zu investieren.

Kabel und Internet verändern TV-Landschaft

Die immer wieder als potenzielle ProSiebensat.1-Käufer genannten TV-Sender TF1 aus Frankreich und SBS aus Skandinavien sieht Papas vor allem als Finanzinvestoren. Eine Übernahme könnte ihre Bilanz und ihren Aktienkurs stärken. "Fernsehen ist ein lokaler Markt, es gibt wenig Synergien", sagte Papas. Für ProSiebenSat.1 würde sich wahrscheinlich wenig ändern.

mit AP