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Reise-Affäre: Jetzt hängt auch Thyssengas mit drin

Die Affäre um von Energieunternehmen finanzierte Reisen für Kommunalpolitiker hat nach Eon Ruhrgas nun auch den RWE-Konzern erreicht: Auch die RWE-Tochter Thyssengas hat möglicherweise für Vergnügungsreisen gesorgt.

Eine Sprecherin des Versorgers RWE Energy sagte am Samstag, auch Räume der jetzt von RWE Energy betriebenen ehemaligen Thyssengas seien im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Köln durchsucht worden. "Wir haben die gewünschten Unterlagen herausgegeben", berichtete sie. "Wir stehen im Kontakt mit den Strafverfolgungsbehörden und kooperieren umfassend mit ihnen." Über Beschuldigte aus dem Haus der ehemaligen Thyssengas sei ihr nichts bekannt, fügte sie hinzu. Die Sprecherin bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Gleichzeitig verwies das Unternehmen darauf, dass im Jahr 2005 von der Konzernspitze verbindliche Unternehmensregeln verabschiedet worden seien. Seitdem würden äußerst strenge Maßstäbe bei der Durchführung solcher Reisen angelegt.

RWE hatte erst 2005 Verhaltensgrundsätze eingeführt

RWE hatte im vergangenen Jahr konzernweite Verhaltensgrundsätze eingeführt und damit auch die Konsequenz aus den Affären um Zahlungen an den ehemaligen CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer und das ehemalige CDU-Präsidiumsmitglied Hermann-Josef Arentz gezogen.

Wegen des Vorwurfs der Vorteilsnahme im Zusammenhang mit Reisen von Eon Ruhrgas wird gegen mehr als 100 Kommunalpolitiker in 25 Städten in Nordrhein-Westfalen ermittelt. Auch gegen Mitarbeiter von Eon Ruhrgas wird der Staatsanwaltschaft zufolge wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung ermittelt. Büroräume des Versorgers waren ebenfalls durchsucht worden. Die Politiker stehen im Verdacht, als Aufsichtsräte ihrer Stadtwerke an Reisen mit "eher touristischem Charakter" teilgenommen zu haben, die der Essener Gasversorger finanziert haben soll. Der Aufsichtsratschef der Essener Stadtwerke, Franz-Josef Britz (CDU), hatte bereits eingeräumt, an einer Reise nach Barcelona teilgenommen zu haben. Angesichts des Umfangs der Ermittlungen könne er weder ein Ende noch ein Ergebnis prognostizieren, hatte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft betont. Zudem werde auch in anderen Bundesländern ermittelt.

Eon lässt erstmal alle "Veranstaltungen dieser Art" ruhen

Laut "Spiegel" will auch Eon die internen Regeln verschärfen. So könnte etwa detailliert vorgeschrieben werden, ob Kunden und Politiker eine Eigenbeteiligung an Reisekosten tragen müssen. Eon-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann sagte dem "Spiegel", bis zur Verabschiedung solcher verbindlicher Konzepte sollten "sämtliche Kunden-Veranstaltungen dieser Art komplett eingestellt" werden.

Reuters/Reuters

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