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Rettungspaket: Auch Commerzbank braucht Staatsgeld

Die Front bröckelt: Nach Landesbanken und Hypo Real Estate will sich nun offenbar auch Deutschlands zweitgrößtes Bankhaus Geld beim Staat besorgen. Die Commerzbank hat Insidern zufolge Interesse daran, Hilfe aus dem Rettungsfonds in Anspruch zu nehmen. Grund: Im dritten Quartal drohen wegen der Finanzkrise neue Milliarden-Belastungen.

Der Bund steht möglicherweise vor einem Einstieg bei der Commerzbank. Das zweitgrößte deutsche Geldhaus habe Interesse daran, sich über den Rettungsfonds der Regierung frisches Eigenkapital zu besorgen, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Aufsichtsrat werde auf der für Dienstag geplanten Sitzung mit Vorstandschef Martin Blessing über eine Teilnahme an knapp 500 Milliarden Euro schweren Hilfsfonds beraten, sagte ein Mitglied des Kontrollgremiums. Entschiede sich die Bank für eine Kapitalspritze des Bundes, bekäme die Regierung direkten Einfluss auf die Geschäftspolitik. Ein Commerzbank-Sprecher betonte lediglich, die Bank prüfe weiter das Maßnahmenpaket der Regierung.

"Die Commerzbank ist an allen Instrumenten des Fonds interessiert, also auch an der Option zur Rekapitalisierung", sagte eine Person aus dem Umfeld der Bank. Hintergrund seien die andauernde Finanzkrise sowie die anstehende Übernahme der Dresdner Bank. Im dritten Quartal schlugen vor allem Belastungen aus dem Engagement bei der pleitegegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers und in Island negativ zu Buche, wie ein anderer Insider sagte. "Das ist ein weiterer Grund für die Bank, ihre Kapitalbasis gut im Auge zu behalten." Am Mittwoch will die Commerzbank die Ergebnisse für das dritte Quartals bekanntgeben.

Hypo Real Estate bekommt 15-Milliarden-Spritze

Bislang ist die Resonanz der Banken auf den Hilfsfonds der Regierung äußerst mau. Von den privaten Instituten nimmt bisher nur die massiv angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) Garantien in Anspruch. Der Immobilienfinanzierer teilte in der Nacht zum Freitag mit, er habe eine Garantie des Finanzmarktsstabilisierungsfonds (SoFFin) in Höhe von 15 Milliarden Euro erhalten. Die HRE kann nun Liquiditätshilfen der Bundesbank in gleicher Höhe in Anspruch nehmen, um einen Engpass in den nächsten Wochen zu überbrücken. Mitte November soll dann ein Bankenkonsortium sowie der Bund ein Rettungspaket über 50 Milliarden Euro bereitstellen.

Die HRE prüft auch, ob sie frisches Eigenkapital in Anspruch nehmen will. Analysten sehen einen Bedarf von mindestens zwei Milliarden Euro, weil sie mit einem Quartalsverlust im Milliardenbereich rechnen. Zahlen für das dritte Quartal sollen Mitte November veröffentlicht werden.

Im Chor fällt keiner auf

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) rechnet damit, dass in den nächsten vier bis fünf Tagen mehrere Geldhäuser gemeinsam einen Antrag auf Hilfen des Staates stellen werden. Finanzkreisen zufolge geht es dabei aber nur um Garantien für Interbankenkredite. Die Geschäftsbanken in Deutschland diskutieren demnach über eine gemeinsame Nutzung von Bürgschaften des Fonds. Wenn dies bekanntgegeben würde, könnte die Commerzbank "im Windschatten" auch die Inanspruchnahme der Kapitalhilfe ankündigen, sagte ein Insider. Getreu dem Motto: "Im Chor fällt keiner auf". Eine andere Person mit direkten Kenntnissen von dem Fonds ergänzte: "Andere Banken werden wohl später folgen und ebenfalls staatliches Kapital beantragen, da die Krise noch nicht ausgestanden ist."

Druck auf die Banken kommt von ganz oben: Bundesbank-Präsident Axel Weber forderte die Institute am Donnerstagabend mit deutlichen Worten auf, ihre Kapitalbasis zu stärken, um für weitere Belastungen besser gerüstet zu sein. Vor allem solche Banken, deren Kernkapitalquote nahe an die kritische Grenze von fünf Prozent komme, müssten beobachtet werden, sagte Weber. Dabei müssten auch Belastungen aus Engagements bei der pleitegegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers und in Island berücksichtig werden. Eine Bank müsse auch dann noch gut kapitalisiert sein, wenn solche Belastungen in der Bilanz verdaut seien.

Die USA und Großbritannien haben ihre Banken bereits mit frischem Kapital ausgestattet. Britische Banken kommen daher im Schnitt inzwischen auf eine Kernkapitalquote von rund neun Prozent. Viele deutsche Banken liegen weit darunter. So kam die Commerzbank etwa per Ende Juni auf 7,4 Prozent, die Postbank rutschte wegen hoher Abschreibungen auf Lehman-Papiere auf nur noch 5,5 Prozent und muss nun ihr Kapital erhöhen, um wieder auf ein angemessenes Niveau zu kommen. Der Branchenprimus Deutsche Bank hat im Gegensatz dazu eine Eigenkapitalquote von knapp über zehn Prozent - ein Wert der sich im internationalen Vergleich sehen lassen kann.

joe/Reuters / Reuters