RÜSTUNG Kondome für U-Boote


Was haben U-Boote und Kondome gemeinsam? In Südafrika eine Menge: so kompensiert der Staat einen der größten Waffen-Deals der jüngeren Geschichte.

Was haben Holz und Jets oder U-Boote und Kondome gemeinsam? Eigentlich wenig, in Südafrika aber eine Menge: beide sind Bestandteil des größten Rüstungsgeschäfts in der Geschichte des jungen Nach-Apartheid-Staates. Dort gehen internationale Industrieunternehmen zur Zeit ungewöhnliche Wege. Der deutsche Stahlhersteller Ferrostaal etwa beteiligt sich über eine Investmenttochter mit 15 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen des Kölner Kondomherstellers Condomi AG.

Condomi mit dabei

Jährlich will Condomi rund 100 Millionen Kondome für den afrikanischen Markt produzieren. In East London, in direkter Nachbarschaft zu einem Montagewerk von DaimlerChrysler, sollen in dem Gemeinschaftsunternehmen Rohkondome aus dem Hauptwerk in Erfurt geprüft und fertig gestellt werden.

Erstes deutsches Kompensationsprojekt

Südafrikas Presse feierte die Nachricht am Mittwoch als erstes deutsches Kompensations-Projekt, das aus dem Milliarden-schweren Rüstungsgeschäft des Landes resultiert. Denn Ferrostaal gehört zu dem Konsortium, das für Südafrikas Marine drei Untersee-Boote im Gesamtwert von 857 Millionen Dollar (1,9 Mrd DM/978 Mio Euro) bauen soll. Sie sind Teil eines Modernisierungsprogramms für die 30 Jahre alten Waffensysteme des südafrikanischen Militärs. Dazu gehören vier neue Fregatten, 30 leichte Helikopter, 24 Schul- sowie 28 Kampfjets. Die Kosten dafür waren ursprünglich auf 30,3 Milliarden Rand veranschlagt worden, doch später durch den Verfall der nationalen Währung auf 43 Milliarden Rand (12,8 Mrd DM/6,3 Mrd Euro) gestiegen.

Chance für Südafrikas Wirtschaft

Der 1999 unterschriebene Beschaffungsvertrag enthielt eine Klausel, wonach alle am Rüstungsgeschäft beteiligten Anbieter bis 2011 für insgesamt 15 Milliarden Dollar südafrikanische Waren kaufen oder Investitionen vornehmen. Südafrika ist angesichts einer offiziellen Arbeitslosenquote von rund 26 Prozent sowie sinkender Auslands-Investitionen dringend darauf angewiesen: bis Juni des laufenden Jahres wurden gerade mal 403 Millionen Dollar Direktinvestitionen verbucht (minus 27 Prozent).

Bestechungsvorwürfe kursieren

Vor dem Hintergrund beschreiten auch die Flugzeughersteller Saab (Schweden) und BAe Systems (Großbritannien) ungewöhnliche Investitionspfade. Bei dem von Bestechungsvorwürfen überschatteten Rüstungsvertrag wurden sie ausgewählt, Südafrikas Luftwaffe Kampfjets (Saab-Gripen) und Schulflugzeuge (Hawk) zu liefern. Beide Hersteller beteiligten sich nun an einem ersten Kompensationsgeschäft im Holzbereich. Insgesamt 600 Millionen Rand investiert ein Konsortium in die Anfang des Jahres gegründete Holzfabrik Global Forest Products (GFP); 55 Millionen Rand stammen von Saab und BAe.

Gut Holz

GFP, der neben drei Sägemühlen Plantagen und Wälder gehören, erwartet in den kommenden zehn Jahren rund fünf Milliarden Rand an Exporterlösen. Es ist ein Joint-Venture des in Washington ansässigen Global Environment Funds (51 Prozent) und des südafrikanischen Papierherstellers Mondi. In der strukturschwachen Region Mpumalanga rettete das Geld eine Sägemühle vor dem Ruin und damit rund 200 Arbeitsplätze.

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Verteidigungsminister Moisuoa Lekota, der das Investitionsprojekt vor laufender Kamera stolz präsentierte, kündigte weitere Investitionen in unterschiedlichste Projekte an. Er kann positive Nachrichten dringend brauchen. Denn im Gefolge eines gerade veröffentlichten Untersuchungsberichtes werden einigen Beteiligten offensichtliche Interessenkonflikte vorgehalten. Die Behörden haben gegen einzelne Betroffene Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Ralf E. Krüger


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