Saisonartikel Die Weihnachtsmanngummibärchenriesen


Die Süßwarenindustrie kann sich nicht beklagen: Die Deutschen essen im Jahr durchschnittlich 31 Kilo Süßwaren. Da kommen die 15 Zentimeter großen Weihnachtsmänner aus Fruchtgummi oder die kiloschweren Riesen-Gummibärchen gerade recht.

Zwei Gramm wiegt ein Gummibärchen. Dagegen lassen sich die 150 Gramm schweren und zwölf Zentimeter großen Weihnachtsmänner aus der Gummi Bear Factory Boizenburg/Hagenow (Kreis Ludwigslust) nicht mehr so einfach mit einem "Happs" vernaschen. Gerade in der Adventszeit gehen diese überdimensionierten Fruchtgummis weg wie warme Semmeln, sagt Produktentwicklerin Susann Thomas. Gummibonbons liegen generell im Trend. Im Zuge einer millionenschweren Produktionserweiterung am Standort Hagenow soll am 10. Dezember Baubeginn für ein vollautomatisches Hochregallager sein.

Mit der bis April 2006 abgeschlossenen Investition wird die Gummi Bear Factory Süßwaren GmbH & Co. KG - mengenmäßig das Flaggschiff der Mederer-Gruppe (Fürth) - ihre Jahreskapazität von 29.000 auf mehr als 40.000 Tonnen ausbauen. Sie erbringt dann rund die Hälfte der gesamten Mederer-Produktion. Auch soll die Belegschaft von derzeit 250 Beschäftigten aufgestockt werden.

Fruchtgummis liegen vor allem bei Jüngeren im Trend

Seit Jahren platziert sich die Gruppe mit 1700 Beschäftigten an sieben Standorten weltweit auf Platz zwei hinter dem Branchenschwergewicht Haribo. "Der Markt wächst, die Discounter expandieren EU-weit. Wir produzieren quasi direkt in den Lkw rein", sagt Gummi-Bear-Chef Hans-Jürgen Schmid. Das Unternehmen in Boizenburg war im Jahr 2000 von der Barry Callebaut AG Zürich (Van Houten) an Mederer (Marke "Trolli") verkauft worden.

Laut Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie (Bonn) konnte sich die Branche 2004 gegen den bescheidenen konjunkturellen Trend gut behaupten. So stieg die Gesamtproduktion um 3,2 Prozent auf 3,35 Millionen Tonnen. Wertmäßig lag das Wachstum bei 4,7 Prozent auf mehr als 11,25 Milliarden Euro. Bei Zuckerwaren wurden 2,3 Prozent mehr hergestellt, bei Gummibonbons stieg die Menge um 8,4 Prozent auf knapp 281.000 Tonnen. Statistisch hat jeder Bundesbürger im vorigen Jahr 31 Kilogramm Süßwaren aller Arten verzehrt.

Fruchtgummis liegen vor allem bei Jüngeren im Trend. Die Rohmasse aus Glucose, Zucker und Gelatine lasse sich in Aroma und Form beliebig verändern, mit Vitaminen anreichern, dem sich wandelnden Zeitgeschmack anpassen. "Die Vielfalt ist wahnsinnig groß", erklärt Firmensprecher Gerd Preidt das Erfolgsgeheimnis seiner Sparte. Der Renner aus Mecklenburg bleibe mit einem Fünftel der Produktion das klassische Gummibärchen. Aber auch Colaflaschen, saure Apfelringe, süße Würmer, Mäuse und Haifische, Joghurtfrüchtchen oder "Milchkühe" mit fünf Prozent frischer Milch seien in vieler Munde.

Außergewöhnliche Geschenke zum Jahresende

Hundert diverse Formen haben die Mecklenburger auf der "Pfanne" und können damit Gummibonbons von je 1,5 bis acht Gramm in ungezählten Varianten gießen. Jede Maschine spritzt stündlich tonnenweise Gummibärchenmasse in vorgestanzte Stärkepuderplatten zu hunderttausenden Figuren. Diese trocknen 24 Stunden, werden dann herausgeschüttelt und mit Bienenwachs überzogen, damit sie nicht zusammenkleben. Verkauft wird an große Lebensmittelketten und Discounter, der Export läuft weltweit.

Vor fünf Jahren erblickten die kiloschweren Riesen-Gummibärchen in Boizenburg erstmals das Licht der Welt. Gegossen werden sie per Hand in stabile Gips- und Plastikformen. Zum Jahresende seien außergewöhnliche Geschenke gefragt, berichtet Produktentwicklerin Thomas. Bestellungen kämen aus ganz Deutschland, aus Österreich, der Schweiz. Je Auftragslage würden derzeit pro Woche etwa 50 Zwei-Kilo-Bären in 25 Zentimeter lange Formen gegossen, dazu dutzende halb so große Weihnachts- und Schneemänner, Rentiere und Autos.

Grit Büttner/DPA


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