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Milliarden-Start-up Samumed: Biotech-Firma verspricht Wundermittel gegen Haarausfall, Falten und Krebs

Eine geheimnisvolle Biotech-Firma aus den USA entwickelt Medikamente gegen Haarausfall, Falten, Arthrose und Krebs. Kann sie die Wundermittel wirklich liefern? Prominente Investoren glauben daran.

Samumed

Hat Samumed wirklich ein Rezept gegen Haarausfall und andere Alterskrankheiten?

Wenn jemand behauptet, das Rezept für ewige Jugend gefunden zu haben, ist erst einmal eine gesunde Portion Skepsis angebracht. Vor allem wenn das Unternehmen noch kein einziges marktreifes Produkt anbietet, sondern bislang nur im mehr oder minder Geheimen vor sich hinforscht. Ein paar Leute sind aber offenbar ziemlich überzeugt davon, dass die Biotech-Firma Samumed den Gesundheitsmarkt revolutionieren wird.

Rund 300 Millionen US-Dollar hat das Start-up aus den USA laut Business Insider bereits von Investoren eingetrieben. Die jüngste Finanzierungsrunde trieb die Bewertung des Unternehmens auf zwölf Milliarden US-Dollar. Damit ist Samumed laut Forbes das mit Abstand wertvollste Pharma-Unternehmen der Welt, das noch kein einziges Medikament verkauft hat.

Samumed hat prominente Geldgeber

Zu den privaten Investoren von Samumed zählt Finian Tan, der bereits einmal ein goldenes Investoren-Händchen bewiesen hat: Im Jahr 2000 investierte er in ein gerade gegründetes Start-up namens Baidu - das heute die größte Suchmaschine Chinas und die am fünfthäufigsten aufgerufene Website der Welt ist. Auch Donald Trumps Chef-Wirtschaftsberater Gary Cohn hat sich laut Forbes Anteile an Samumed gesichert.

Geführt wird der neue heimliche Star am Biotech-Himmel von Osman Kibar. Der 45-jährige Auswanderer aus der Türkei spielte laut Forbes in den USA kurzzeitig sehr erfolgreich Poker, bevor er begann, die Biotech-Szene aufzumischen. 2011 verkaufte er seine Onkologie-Diagnostikfirma Genoptix für 470 Millionen Dollar an Novartis, nun bastelt er mit Samumed an der nächsten großen Gesundheitsrevolution.

Stammzellen-Tuning gegen das Altern

Genau genommen forscht Samumed natürlich nicht an einem Jungbrunnen für ewiges Leben, sondern an Rezepten, die typische Alterserscheinungen des menschlichen Körpers stoppen und sogar umkehren können. Entwickelt werden sollen Medikamente gegen Haarausfall und Faltenbildung, aber auch gegen Kniegelenkarthrose, kaputte Bandscheiben und Krebsbildung.

Dahinter steckt eine komplizierte Methode, die bestimmte Stammzellen so manipuliert, dass sie zu Leistungen getrieben werden, die sie im normalen Alterungsprozess sonst nicht erbracht hätten. So sollen beispielsweise die Zellen von Arthrose-Patienten aktiviert werden, um verloren gegangenen Knorpel im Knie neu aufbauen. Das ist bisher unmöglich, doch die Tests von Samumed sollen vielversprechend verlaufen. Auch Bandscheibenprobleme und sogar Darmkrebs will Samumed bekämpfen. Insgesamt sieben Medikamente sind derzeit in der klinischen Testphase. 

Schönheitswahn: Wieso Männer sich tausendfach den Kopf tätowieren lassen

Hohe Erwartungen schürt auch die Erprobung eines Rezeptes gegen Haarausfall - ein potenzieller Milliardenmarkt. Das Medikament, das auf Glatzen wieder Haare sprießen lassen soll, wird wie das Arthrose-Mittel bereits an Menschen getestet. In zwei Versuchsreihen über jeweils 135 Tage verzeichneten die Männer, die mit dem Samumed-Mittel behandelt wurden, ein zusätzliches Haarwachstum von je nach Dosierung sieben bis zehn Prozent. Die Probanden, denen ein Placebo verabreicht wurde, verloren weiterhin Haare. Weitere Studien sollen nun die optimale Dosis des Medikaments ermitteln, bevor es der US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA vorgelegt wird. Ein Nachweis, wie nachhaltig der Wachstums-Effekt ist, steht allerdings noch aus.

Warnendes Beispiel Theranos

Ob Samumed die großen Versprechen wirklich einlösen kann, ist trotz der Versuchserfolge längst nicht ausgemacht. Wie schnell der Hype um eine vermeintliche Biotech-Revolution wieder zusammenbrechen kann, musste erst 2015 die Firma Theranos erfahren. Gründerin Elizabeth Holmes galt mit ihren neuartigen Bluttest-Verfahren als das Wunderkind der Szene, sammelte fast 700 Millionen Dollar Kapital ein und erhielt auch eine erste Zulassung. Doch nach öffentlichen Zweifeln an der Wirksamkeit der Methode implodierte die Milliardenbewertung der Firma, heute kämpft Theranos ums Überleben.

Risiko-Kapitalgeber Finian Tan wettet, dass es bei Samumed anders laufen wird. Nur zweimal in seinem Leben habe er in einer so frühen Phase so viel auf ein Unternehmen gesetzt, erklärte der legendäre Baidu-Investor laut Bloomberg. Tan erwartet von seinem Investment Großes: "Samumed wird uns sogar noch mehr Geld einbringen."

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