HOME

Sanierung: Karstadt-Häuser gehen an Briten

Die Sanierung von KarstadtQuelle schreitet voran: Der angeschlagene Kaufhauskonzern hat 74 kleineren Warenhäusern und die Fachmarktketten SinnLeffers und RunnersPoint verkauft. Für die Beschäftigten soll sich nichts ändern.

In einem unerwartet raschen Befreiungsschlag hat sich der angeschlagene KarstadtQuelle-Konzern von 74 kleineren Warenhäusern und den Fachmarktketten SinnLeffers und Runners Point getrennt. Die rund 250 Geschäfte mit 10.500 Beschäftigten werden von angelsächsischen und deutschen Finanzinvestoren übernommen. "Das ist ein Durchbruch für die nachhaltige Sanierung unseres Unternehmens", sagte Konzernchef Thomas Middelhoff am Mittwoch bei der Bekanntgabe der Vertragsabschlüsse in Essen. Er hob hervor, dass alle Beschäftigten von den Käufern übernommen werden.

Geschäftsbetrieb wird fortgesetzt

Erwerber der Karstadt-Kompakt-Warenhäuser sind der britische Finanzinvestor Dawnay, Day und die Handelsexperten Hilco UK. Den Erlös aus diesem Verkauf beziffert Middelhoff auf knapp 500 Millionen Euro. "Die Käufer haben eine ganz eindeutige Erklärung abgegeben, das der Geschäftsbetrieb auf Dauer fortgesetzt werden soll", sagte der Karstadt-Chef. Vor allem allem in Klein- und Mittelstädten hatte die Befürchtung geherrscht, das bei einer Schließung der Warenhäuser die Innenstädte veröden könnten. Bis Mitte 2007 können die Filialen noch den Namen "City-Karstadt" nutzen.

Sie haben Flash deaktiviert oder nicht installiert. Oder Sie benutzen ein iOS-Gerät.

Die Fachhandelskette SinnLeffers wird von einer Investorengruppe bestehend aus der Deutschen Industrie-Holding GmbH und zwei angelsächsischen Investoren übernommen, die Sportbedarfskette Runners Point geht im Rahmen eines Management Buyouts an die HANNOVER Finanz Gruppe. Angaben zum Verkaufspreis machte Middelhoff hier nicht.

Bisher 25.000 Stellen weniger

In einer Zwischenbilanz der Sanierungsbemühungen betonte Middelhoff, KarstadtQuelle habe sich damit inzwischen von 25.000 Mitarbeitern getrennt, teils durch Verkauf der Unternehmen, teils durch Stellenabbau. Damit seien die Personalkosten um rund 16 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro reduziert worden. Die Handelsspanne habe sich dadurch deutlich verbessert. Plangemäß habe der Konzern außerdem rund 1,1 Milliarden Euro durch den Verkauf von Unternehmensteilen eingenommen und damit die Schulden reduziert. Weitere 1,3 Milliarden Euro erhoffe das Unternehmen aus dem Verkauf der Karstadt Hypothekenbank (KHB) und des Ratenkreditgeschäfts (ABS).

"KarstadtQuelle schließt damit heute die erste Sanierungsphase erfolgreich ab. Uns ist es gelungen, den Konzern wieder planbar und steuerbar zu machen", sagte Middelhoff. In vier von fünf Geschäftsbereichen greife die Sanierungspolitik bereits. Im Warenhausbereich, bei den Dienstleistungen, im Immobiliengeschäft sowie bei der Touristiktochter Thomas Cook liege das Unternehmen operativ über Plan.

Universalversand bleibt Sorgenkind

Sorgenkind ist jedoch nach wie vor der Universalversand in Deutschland, wo Umsätze und Gewinne massiv eingebrochen sind. "Doch auch dieses Geschäft wird wieder zurück in die schwarzen Zahlen geführt", sagte Middelhoff. Schon ab Anfang 2006 will der Konzernchef wieder Umschalten von Sanierung auf Wachstum. Wachstumstreiber sollen vor allem der Universalversand im Ausland, der Spezialversand und der E-Commerce sein, wo KarstadtQuelle in Deutschland nach eigenen Angaben hinter eBay bereits die Nummer zwei ist. Ausdrücklich betonte Middelhoff außerdem sein Interesse an einem Ausbau des Touristik-Engagements.

Wachstum ist allerdings auch nötig. Im ersten Halbjahr schrumpften die Umsätze des Handelsriesen um knapp 8 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) stieg allerdings gleichzeitig um fast 25 Prozent auf 122 Millionen Euro.

AP, Reuters / AP / Reuters