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Schadenersatz: Frau verklagt McDonald's wegen losen Deckels auf heißem Kaffee

Eine Amerikanerin verklagt McDonald's, weil ihr Kaffee am Drive-In-Schalter angeblich nicht richtig verschlossen wurde und sie ihn sich über die Beine kippte. Nicht der erste Prozess dieser Art.

Es ist wirklich keine schöne Vorstellung: Man steht bei McDonald's in der Drive-In-Schlange und freut sich auf seinen Kaffee. Doch der Mitarbeiter am Schalter ist nicht ganz bei der Sache und drückt den Deckel nicht richtig auf den Pappbecher. Gerade als man das Gefäß entgegennehmen will, rutscht es einem aus der Hand und das braune Heißgetränk ergießt sich über Oberschenkel und Knie. Statt Koffein und Glückseligkeit gibt es Schmerzen.

Genug davon, um Schmerzensgeld zu verlangen, findet zumindest Paulette Carr aus Los Angeles. Wie der US-Sender "NBC" berichtet, hat die US-Amerikanerin die Fastfood-Kette verklagt. "Der Deckel für den heißen Kaffee war fahrlässig, leichtfertig und unsachgemäß auf dem Becher platziert worden, was dazu führte, dass er bei der Übergabe am Fenster herunterfiel", heißt es in der Klageschrift von Carrs Anwältin Shary Manning. "Deshalb wurde der heiße Kaffee auf die Klägerin geschüttet."

Vor 20 Jahren gab es dafür 640.000 Dollar

Nichts Besonderes, möchte man meinen. In den USA gehören solche Geldforderungen gegen Unternehmen schon bei kleinsten Unfällen zur Tagesordnung. Doch Carrs Klage fällt mit dem 20-jährigen Jubiläum eines ganz ähnlichen Falls zusammen - eines wahren Klassikers im Schmerzensgeld-Business: 1994 wurden Stella Liebeck aus New Mexico in erster Instanz fast drei Millionen Dollar zugesprochen. Die Frau hatte versucht, auf dem Beifahrersitz Milch und Zucker in ihren McDonald's-Kaffee zu schütten, den sie zwischen ihre Beine geklemmt hatte. Doch die heiße Brühe schwappte aus dem Becher, Liebeck zog sich Verbrennungen an den Oberschenkeln zu.

Selbst schuld, könnte man sagen. Doch im Verfahren wurde bekannt, dass McDonald's absichtlich sehr heißen Kaffee servierte, ohne die Kunden ausreichend zu informieren. Außerdem hatte die Kette sich vor Liebeck schon mit rund 700 anderen Kaffee-Opfern außergerichtlich geeinigt. Seitdem muss in den USA auf Pappbechern für Kaffee der Hinweis stehen: Vorsicht heiß. Stella Liebeck wurde vor 20 Jahren trotzdem als "gieriger Raffzahn" beschimpft, mehrere Fernsehserien parodierten ihren Fall und in einem zweiten Verfahren wurde ihr Schmerzensgeld auf 640.000 Dollar reduziert.

Paulette Carr verspricht sich laut "Süddeutscher Zeitung" ebenfalls mindestens eine sechsstellige Summe - angeblich um ihre Verbrennungen behandeln zu lassen und Verdienstausfälle auszugleichen. Doch wie schwer ihre Mandantin überhaupt verletzt ist und wie viel Geld genau sie fordert, wollte Anwältin Manning jedoch bislang nicht sagen. Und McDonald's? Schweigt ebenfalls.

timb
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