HOME

Schering: Bayer gewinnt Übernahmeschlacht

Überraschende Einigung: Der Leverkusener Bayer-Konzern hat die Übernahmeschlacht um den Pharmakonzern Schering gewonnen. Bayer muss dafür tief in die Tasche greifen - der Kaufpreis stieg um über 400 Millionen Euro.

Bayer hat den Übernahmekampf um den Berliner Pharmakonzern Schering in letzter Minute für sich entschieden. Kurz vor Ablauf der Übernahmefrist kündigte das Darmstädter Familienunternehmen Merck an, es werde sein gesamtes Schering-Aktienpaket im Wert von 3,7 Milliarden Euro an Bayer verkaufen. Bayer-Chef Werner Wenning erklärte nach der überraschenden Einigung: "Wir sind sehr optimistisch, nunmehr mindestens die angestrebte Dreiviertelmehrheit bei Schering zu bekommen und damit den angestrebten Integrationsprozess schnell angehen zu können."

Die Börse honorierte den Bayer-Erfolg mit einem Kurssprung von mehr als 7 Prozent. Dabei kommt die Einigung Bayer teuer zu stehen. Der Leverkusener Konzern muss den ursprünglich gebotenen Kaufpreis um mehr als 400 Millionen Euro auf fast 17 Milliarden Euro aufstocken. Denn nicht nur Merck, sondern alle außen stehenden Schering-Aktionäre werden von dem mit dem Familienunternehmen ausgehandelten neuen Kaufpreis von 89 Euro je Aktie profitieren. Das ursprüngliche Übernahmeangebot sah lediglich 86 Euro je Aktie vor. Dennoch betonte Wenning: "Wir sind sehr froh über diese Entscheidung von Merck, denn ein langfristiger Bieterwettbewerb hätte die Zukunft von Schering stark beeinflusst." Die Einigung stelle einen bedeutenden Schritt dar, um ein deutsches Pharma-Unternehmen von Weltklasse zu schaffen.

Einigung beschert Merck 400 Millionen Euro Gewinn

Bayer und Merck vereinbarten außerdem, "weitere Kooperationsmöglichkeiten" zu prüfen. Dabei könne es sich etwa um Lizenzen oder Entwicklungskooperationen handeln. Die getroffene Vereinbarung stärke damit die Zukunftsfähigkeit aller beteiligten Unternehmen, betonte der Vorsitzende der Merck-Geschäftsleitung Michael Römer. Merck bezifferte den außerordentlichen Ertrag durch das Geschäft mit den Schering-Aktien auf knapp 400 Millionen Euro. Doch sei dies nicht vorrangig. "Kurzfristige Spekulationsgewinne waren nie unser Ziel und sind wahrlich kein Handlungsmotiv für ein Unternehmen, das in Generationen denkt", betonte Römer.

Die Einigung kam überraschend. Noch wenige Stunden zuvor hatte es nach einer Fortsetzung des erbitterten Schlagabtauschs zwischen Bayer und Merck ausgesehen. Erst am Dienstagabend verklagte der Leverkusener Konzern Merck in New York auf Schadenersatz, weil das Unternehmen bei seinen milliardenschweren Aktienkäufen gegen US-Vorschriften verstoßen habe. Diese Klage werde nun zurückgezogen, betonte Bayer. Der Schering-Betriebsrat zeigte sich angesichts der Einigung erleichtert. "Ich gehe davon aus, dass die Übernahme jetzt klappt und Schering nicht mehr zerschlagen wird", sagte Norbert Deutschmann, Schering-Betriebsratschef dem Tagesspiegel.

Für Unruhe sorgt bei den Beschäftigten allerdings die spürbare Anhebung des Kaufpreises. "Wir haben die Sorge, dass jetzt der Druck in Richtung Abbau von Arbeitsplätzen größer wird", sagte Deutschmann. Das Übernahmeangebot von Bayer lief am heutigen Mittwoch um 24.00 Uhr ab. Bis dahin musste sich der Leverkusener Konzern 75 Prozent der Anteile an Schering sichern. Andernfalls wäre das Übernahmeangebot gescheitert und ein neue langwierige und teuere Offerte notwendig.

AP/AP