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Schienenkartell: ThyssenKrupp prüft Rolle des Vorstands

ThyssenKrupp prüft mögliche Pflichtverletzungen seines Vorstands Edwin Eichler im Zusammenhang mit dem sogenannten Schienenkartell.

Der ThyssenKrupp-Konzern prüft, ob Vorstandsmitglied Edwin Eichler im Zusammenhang mit dem Schienenhersteller-Kartell seine Pflichten verletzt hat. Der Personausschuss des Aufsichtsrats habe beschlossen, ein Gutachten zu einer möglichen rechtlichen Verantwortung Eichlers einzuholen, sagte ein Sprecher am Dienstag. Er bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatts". Dem Strafrechtsexperten Klaus Volk aus München seien alle relevanten Unterlagen zur Verfügung gestellt worden. Zudem sei die Kanzlei Freshfields beauftragt worden, eine aktienrechtliche Bewertung zur weiteren Vorgehensweise vorzunehmen. Beide Gutachten sollen in dieser Woche vorliegen.

Das Bundeskartellamt hatte im Juli Bußgelder gegen mehrere Schienenhersteller, darunter ThyssenKrupp und die österreichische Voestalpine, wegen illegaler Preisabsprachen verhängt, von denen insbesondere die Deutsche Bahn betroffen war. Allein ThyssenKrupp musste ein Bußgeld in Höhe von 103 Millionen Euro zahlen. Die betroffene Thyssentochter GfT Gleistechnik fiel in den Verantwortungsbereich Eichlers. Der Manager ist seit Jahren in Führungspositionen für ThyssenKrupp tätig. Sein Vertrag war erst vor geraumer Zeit bis 2017 verlängert worden.

ThyssenKrupp verweist darauf, seit dem Bekanntwerden des Schienenkartells im Mai 2011 umfassend mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Zwar habe es im Jahr 2006 einen vagen externen Hinweis auf mögliche Kartellabsprachen gegeben, es seien aber keine Kartellverstöße der GfT Gleistechnik festgestellt werden. "Wie wir heute wissen, lag der Grund dafür in der hohen kriminellen Energie der Kartellanten, die durch bewusstes Verschweigen und systematisches Lügen eine frühere Aufklärung des Kartells nicht haben möglich werden lassen."

kave/Reuters / Reuters