Senatsanhörung Goldman-Sachs-Chef setzt sich zur Wehr


Der Chef der unter Druck geratenen US-Investmentbank Goldman Sachs setzt sich gegen die Betrugsvorwürfe zur Wehr. Blankfein war der letzte einer Reihe von Managern der Investmentbank, die sich am Dienstag in einer hitzigen Anhörung den Fragen von US-Senatoren stellen mussten.

In einem harten Schlagabtausch vor dem US-Senat hat Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein die umstrittenen Geschäftspraktiken seiner Bank verteidigt. Die Investmentbank habe ihre Kunden während der Finanzmarktkrise nicht getäuscht, sagte Blankfein am Dienstag in einer Anhörung vor einem Sonderausschuss des Senats. Die Anleger wie die deutsche IKB Bank hätten Risiken gesucht, "und das ist es, was sie bekommen haben". Mehrere Senatoren warfen dem Bankenchef indes "zügellose Gier" vor.

Der Ausschussvorsitzende Carl Levin von den regierenden Demokraten hielt Blankfein vor, seine Bank habe Anlegern riskante Wertpapiere verkauft und gleichzeitig auf deren Kursverlust gewettet. "Und da wollen Sie, dass die Leute Ihnen vertrauen? Ich würde Ihnen nicht trauen", sagte Levin.

Goldman Sachs hatte seinen Kunden sogenannte CDOs verkauft, komplexe Kreditderivate, die auf mehrfach verbrieften Immobilienhypotheken beruhten. Zugleich wettete ein Goldman-Großkunde, der Hedgefonds Paulson, auf den Ausfall eben dieser Hypotheken - mit Erfolg. Während sich Paulson eine goldene Nase verdiente, machten die Käufer der CDOs massive Verluste. Allein die IKB musste laut US-Börsenaufsicht SEC 150 Millionen Dollar abschreiben.

Blankfein wies den Vorwurf zurück, Goldman Sachs habe bewusst einen Interessenkonflikt in Kauf genommen, indem das Institut Wertpapiere verkauft habe, auf deren Kursverlust es zugleich spekuliert habe. "Wir wickeln Hunderttausende, wenn nicht Millionen Transaktionen am Tag ab", sagte der Vorstandschef. Bei jeder Transaktion gebe es Käufer und Verkäufer und damit potenzielle Gewinner und Verlierer.

Blankfein war der letzte Zeuge, der am Dienstag gehört wurde. Zuvor hatten auch fünf gegenwärtige und zwei ehemalige Manager von Goldman Sachs das Verhalten des Finanzkonzerns in der Krise verteidigt, darunter der von der SEC namentlich beschuldigte Händler Fabrice Tourre. "Ich weise die Anschuldigungen der SEC kategorisch zurück", erklärte der 31-Jährige, von dem in den vergangenen Tagen mehrere für Goldman Sachs peinliche E-Mails veröffentlicht wurden. In einer davon räumte Tourre ein, die von ihm kreierten Finanzprodukte seien ihm selbst nicht geheuer. Er verglich sie mit "Frankenstein, der sich gegen seinen Erfinder wendet".

Ungeachtet der elfstündigen Anhörung legte die Goldman-Aktie am Dienstag um 1,01 Dollar auf 153,04 Dollar zu - und das gegen den Trend: Wegen der Verschärfung der griechischen Schuldenkrise rauschte der Dow-Jones-Index am Dienstag in die Tiefe.

Die Hoffnung der US-Demokraten, die Empörung über Goldman könnte ihren Plänen für eine Reform der Finanzaufsicht neuen Schwung verleihen, wurde enttäuscht. Die Republikaner im US-Senat stimmten am Dienstag erneut gegen die Aufnahme einer Debatte über die Reformpläne, weil sie Änderungen an dem von den Demokraten präsentierten Gesetzentwurf wünschen.

APN/Reuters Reuters

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