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Studie Warum Sex-Roboter sinnvoll sind (aber auch gefährlich)

Houston hat die Eröffnung eines Geschäfts verboten, in dem Sexroboter ausprobiert werden können (Symbolbild)
Houston hat die Eröffnung eines Geschäfts verboten, in dem Sexroboter ausprobiert werden können (Symbolbild)
© Getty Images
Roboter sind das nächste große Ding der Sexindustrie. Forscher haben untersucht, welche Auswirkungen die Verbreitung von Sexmaschinen hätte. Sie nennen sinnvolle Einsatzzwecke - und warnen vor Risiken.

In der gefeierten HBO-Serie "Westworld" ist das Szenario bereits Wirklichkeit: Hier leben Menschen ihre sexuellen Fantasien mit Robotern aus, die so perfekt sind, dass sie kaum noch als Maschinen zu erkennen sind. Vor allem die dunklen Seiten menschlicher Persönlichkeiten kommen hierbei zum Vorschein.

In der Realität steht die Entwicklung noch am Anfang. Doch erste Firmen produzieren bereits Roboter, die explizit zur Befriedigung sexueller Bedürfnisse gedacht sind. Die Firma TrueCompanion beispielsweise bietet über einen Online-Shop weibliche ("Roxxxy") und männliche Sex-Roboter ("Rocky") für 10.000 Dollar an.

Studie untersucht Nutzen und Gefahren

Die "Foundation for Responsible Robotics" hat nun untersucht, welchen Nutzen und welche Gefahren Sex-Roboter der Gesellschaft bringen. Für den Report "Our sexual future with robots" werteten die Forscher die Argumente von Roboterexperten sowie Umfragen aus den USA, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden aus.

Im Ergebnis kommt die Studie zu sieben Erkenntnissen:

1. Es gibt einen Markt für Sex-Roboter. Die Umfrageergebnisse zeigten, dass sowohl Männer als auch Frauen an Sex-Robotern interessiert seien. Das Interesse der Männer übertraf das der Frauen dabei deutlich.

2. Sex-Roboter sind kein gleichwertiger Ersatz für menschliche Sexualpartner. Die meisten Menschen sehen Sex-Roboter lediglich als ein weiterentwickeltes Sexspielzeug. Eine Liebesbeziehung mit einem Roboter scheint derzeit (noch) ausgeschlossen, da Roboter die Liebe nicht erwidern können. Allerdings halten die Forscher fest, dass einige Menschen bereits Beziehungen mit Silikonpuppen führten. Die menschliche Fantasie ermögliche demnach durchaus fiktive Beziehungen, die eine gewisse psychologische Befriedigung bieten.

3. Prostitution wird es weiter geben. Die Forscher glauben nicht, dass Roboter menschliche Sexarbeiter ersetzen werden. Die Daten legten zwar nahe, dass es einen Markt für Bordelle mit Robotern gebe - Bordelle mit Sexpuppen gibt es bereits. Man habe aber keine Belege gefunden, dass menschliche Sexarbeiter verschwinden würden oder der illegale Handel mit Prostituierten aufhören werde.

4. Sexismus könnte zunehmen. Eine große Frage ist, ob sich die Geschlechterbilder der Gesellschaft durch den Einzug von Sexrobotern verändern. Hier kommt die Studie zu keiner klaren Antwort: So gibt es die Befürchtung, dass Frauen noch schneller zu Sexobjekten herabgewürdigt werden, weil Verhaltensweisen gegenüber Sex-Robotern übertragen werden. Andererseits sind Pornos und andere Sex-Angebote bereits so weit verbreitet, dass ein zusätzlicher Effekt ausbleiben könne.

5. Sex-Roboter können zu Vereinsamung führen. Die Mehrheit der Experten geht davon aus, dass echte Beziehungen unter dem Einsatz von Sex-Robotern leiden werden. Als Vorboten davon werden die oben genannten Beziehungen zu Silikon-Puppen angesehen. Viel hänge auch von der sozialen Akzeptanz ab. Wer seinen Sex-Roboter verheimlichen muss, lädt auch seltener Gäste nach Hause ein.

6. Sex-Roboter haben einen therapeutischen Nutzen. Vor allem Menschen mit sexuellen Problemen können vom Einsatz der Maschinen profitieren. Das gelte beispielsweise für Menschen mit körperlichen Behinderungen, die es schwer haben, ein normales Sexleben zu führen. Ein kontroverser Vorschlag sei der Einsatz von Sex-Robotern für Senioren mit sexuellen Bedürfnissen in Altenheimen. Hier sind noch viele ethische Fragen zu diskutieren.

7. Können Sex-Verbrechen reduziert werden? Diese Frage wird von Experten kontrovers beantwortet. So sind manche der Meinung, dass potenzielle Sex-Täter Vergewaltigungsfantasien und perverse Vorlieben eher an Robotern ausleben würden statt an menschlichen Opfern. Andere hingegen befürchten, dass solche Personen in ihrem Verhalten eher bestärkt werden. Will wirklich jemand ernsthaft, dass sich Pädophile an Kinder-Sex-Robotern befriedigen? Wie schmal der Grat für die Sexroboter-Industrie ist, zeigt sich schon jetzt. Die oben erwähnte "Roxxxy" ist laut Hersteller auch in der Variante "gerade 18" erhältlich.


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