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Siemens-Affäre: Telekom-Vorstand tritt zurück

Die Siemens-Affäre hat nun auch Auswirkungen auf andere Unternehmen: Angeblich ist der Vorstand von T-Systems, Lothar Pauly, in den Korruptionsskandal verstrickt. Nun ist er zurückgetreten.

Die Deutsche Telekom wechselt ihren Vorstand Lothar Pauly aus. Der für das Systemgeschäft, die Produktion, IT und den zentralen Einkauf zuständige Pauly habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, teilte der Konzern in Bonn mit. Der Präsidialausschuss des Gremiums habe empfohlen, dem zu entsprechen. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick solle Paulys Aufgaben nun kommissarisch übernehmen.

Der ehemalige Siemens-Manager Pauly war im April in die Schlagzeilen geraten: Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, aus E-Mails aus dem Jahr 2000 gehe hervor, dass Pauly bei Siemens über "mutmaßliche Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe informiert" gewesen sein könnte. Paulys Anwalt erklärte dagegen, sein Mandant habe keine Schmiergeldzahlungen an einen Auftragsvermittler abgezeichnet.

Laut einem "Focus"-Bericht ermittelt die Staatsanwaltschaft München seit mehreren Wochen gegen Pauly, der zuvor bei Siemens die Com-Sparte verantwortet hatte. Die Kommunikationssparte steht im Mittelpunkt der Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft. Hier sollen große Summen in schwarzen Kassen verschwunden und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob gegen Pauly ermittelt wird.

Der Rückzug von Pauly kommt für die Telekom zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da der Konzern auf der Suche nach einem Partner für T-Systems ist. Der von Pauly geleitete Auswahlprozess soll im Sommer abgeschlossen werden. Derzeit laufen nach Angaben aus Konzernkreisen Gespräche mit möglichen Partnern, die bis Mitte Juni abgeschlossen werden sollen. Dann wolle die Telekom eine Auswahl treffen, mit wem vertiefende Verhandlungen geführt werde, hieß es. Die Gespräche könnten nun von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick übernommen werden.

DPA / DPA