Siemens strukturiert IT neu Minus 4200 Mitarbeiter


Siemens streicht 4200 Jobs in seiner IT-Sparte. Der bis 2011 geplante Abbau umfasst auch 2000 Stellen in Deutschland, wie der Technologiekonzern am Donnerstag in München erklärte.

Siemens streicht 4.200 Jobs in seiner IT-Sparte. Der bis 2011 geplante Abbau umfasst auch 2.000 Stellen in Deutschland, wie der Technologiekonzern am Donnerstag in München erklärte. Vor allem große Standorte wie München, Paderborn und der Großraum Nürnberg/Erlangen seien betroffen. Zudem soll die Sparte SIS umstrukturiert und noch im laufenden Jahr als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert werden.

Personalvorstand Siegfried Russwurm begründete den Abbau mit Anpassungen an das Geschäftsvolumen, das in den vergangenen zwei Jahren um 13 Prozent zurückgegangen sei. Die IT-Sparte hat derzeit noch 35.000 Mitarbeiter, 9.700 davon in Deutschland. 2009 machte sie 90 Millionen Euro Gewinn, das Ergebnis sinkt nach Konzernangaben seit drei Jahren. Der Umsatz lag zuletzt bei 4,7 Milliarden Euro.

Russwurm kündigte an, den Jobabbau verantwortungsvoll umzusetzen. Siemens wolle alle Möglichkeiten für freiwillige Maßnahmen nutzen. Zudem sollten befristete Arbeitsverträge auslaufen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Russwurm nicht aus, betonte aber, sie seien nur das allerletzte Mittel. Als Restrukturierungskosten werden rund 400 bis 500 Millionen Euro erwartet.

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser, erklärte, SIS solle bis Juli 2010 rechtlich ausgegliedert werden, wahrscheinlich zunächst als GmbH. Auch die spätere Umwandlung in eine AG sei denkbar. Jetzt gehe es aber nicht um einen Eigentümerwechsel, betonte Kaeser. Die ausgegliederte SIS werde eine 100-prozentige Tochter von Siemens sein. Einen späteren Börsengang schloss der Manager aber nicht aus.

Als Grund für die Ausgliederung von SIS nannte Kaeser Möglichkeiten, die sich für ein eigenständiges Unternehmen ergäben. SIS sei eine Beratungsfirma und diese bräuchten andere Leistungsstrukturen. Derzeit habe man das Dilemma festgefahrener Strukturen, die man nicht so schnell ändern könne wie andere. Einige Konkurrenten hätten sich besser auf die Krise eingestellt als SIS.

Im Zuge der Umstrukturierung will Siemens die Zahl der Geschäftseinheiten bei SIS von jetzt sieben auf dann nur noch zwei - IT-Outsourcing und IT-Lösungen - reduzieren. Randaktivitäten sollen abgeben werden. Damit solle die IT-Sparte fit für die Zukunft gemacht werden, erklärte der Konzern. Bis 2012 würden 500 Millionen Euro bei SIS investiert.

Die IG-Metall und der Siemens Gesamtbetriebsrat kritisierten den geplanten Stellenabbau. "Die SIS-Beschäftigten leisten seit über drei Jahren ihren Beitrag zur Kosteneffizienz. Trotzdem hat es weder grundlegende Veränderungen im Management noch ein tragfähiges Konzept gegeben", erklärte Dieter Scheitor, der Unternehmensbeauftragte der IG-Metall für Siemens. "Den Versuch, diese Versäumnisse mit einer neuen Sparrunde zu kompensieren, lehnen wir ab." Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Lothar Adler, kritisierte, dass die Zukunft von rund 2.000 Beschäftigten der IT-Sparte in Deutschland, die nicht in die künftige SIS wechselten, ungeklärt sei.

SIS betreibt für Siemens und andere Kunden IT-Strukturen und bietet Beratung sowie IT-Lösungen an, teilweise maßgeschneidert zu Siemens-Systemen. Auch der Konzern selbst ist ein wichtiger Kunde seiner Tochter. 42 Prozent der IT-Ausgaben bei Siemens von insgesamt 2,7 Milliarden Euro flossen 2009 an SIS.

Christof Rührmair, APN APN

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