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So teuer wie nie zuvor: Internationale Finanzmärkte im Goldrausch

Die Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten hat den Goldpreis auf einen historischen Höchstwert steigen lassen. 1241,93 Dollar mussten Anleger am Mittwochvormittag für eine Unze Gold hinblättern.

Gold ist derzeit so stark gefragt wie selten zuvor - und deswegen auch so teuer wie nie. An der Londoner Rohstoffbörse stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) am Mittwoch auf ein neues Rekordhoch von über 1240 Dollar. Der alte Rekord vom vergangenen Dezember wurde damit klar übertroffen. In Euro gerechnet steigt das gelbe Edelmetall bereits seit Wochen von einem Rekord zum nächsten, nicht nur wegen des schwachen Euro. Experten sehen das hohe Anlegerinteresse zwar auch fundamental getrieben. Hauptgrund sei jedoch die staatliche Schuldenkrise, die wiederum Ängste vor einer Schuldenblase und einer hohen Inflation schürt.

Zwar rangiert der Goldpreis schon länger auf einem sehr hohen Niveau. Allerdings hatte er sich in den letzten Monaten in einer vergleichsweise engen Spanne zwischen 1050 und 1150 Dollar bewegt. Aus dieser Handelsspanne ist der Goldpreis jetzt ausgebrochen, nicht zuletzt wegen des gigantischen Rettungsschirms für finanzschwache Euro-Länder von einer Dreiviertel Billion Euro. Experten sehen nun die Gefahr einer Schuldenblase, was langfristig zu einer hohen Geldentwertung führen könnte. Dies treibt die Nachfrage nach Gold, das traditionell als Inflationsschutz gilt. Zu allem Übel steht auch noch die Unabhängigkeit der bislang so standfesten Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem Spiel. Grund: Die Notenbank flankiert den europäischen Rettungsschirm durch den Kauf von Staatsanleihen - aus Sicht nicht weniger Experten ein Sündenfall.

"Die Aufforderung an die EZB, nun Staatsanleihen am Markt aufzukaufen, ist klar inflationär", heißt es bei der Großbank UniCredit. Schon die Gerüchte über eine Intervention der EZB am Kapitalmarkt hatten den Goldpreis - zumindest in Euro gerechnet - seit Mitte April kräftig steigen lassen. Auch die "psychologisch wichtige Marke" von 30 000 Euro für den Kilobarren Gold wurde zuletzt übersprungen wie UniCredit-Experte Jochen Hitzfeld unterstreicht. "Zum Jahresende erwarten wir einen Goldpreis von 1.450 Dollar je Feinunze", lautet die mittelfristige Prognose Hitzfelds.

Aber nicht nur die Schuldenproblematik in Europa, auch die hohe Staatsverschuldung in anderen großen Wirtschaftsräumen dürfte die Anleger weiter in das gelbe Edelmetall treiben. Vor allem die hohe Verschuldung der weltgrößten Volkswirtschaft USA, die an den Märkten noch vollständig ausgeblendet wird, dürfte die Goldnachfrage weiter nach oben treiben, heißt es bei der Landesbank Baden-Württemberg. Die jüngste Goldstärke erscheint dabei um so beeindruckender, als sie mit einem ebenfalls festen Dollar einhergeht. Normalerweise stellt eine starke US-Währung eine Belastung für den Goldpreis dar.

Gold dient aber nicht nur als Inflationsschutz, sondern auch als "sicherer Hafen" gegen riskante Entwicklungen. Nicht zuletzt die Angst vor Staatspleiten hat die Anleger immer stärker in Gold getrieben, wie die Commerzbank betont. Deutlich wird dies auch an den anhaltend hohen Zuflüssen in börsengehandelte Goldfonds (Exchange Traded Funds, ETF). Allein der weltweit größte Gold-ETF "SPDR Gold Trust" hält derzeit ein Rekordvolumen von knapp 1200 Tonnen Gold, was einem Gegenwert von fast 47 Milliarden Dollar entspricht. "Gold dürfte weiter gefragt bleiben", bringt es die Commerzbank knapp auf den Punkt.

DPA/AFP / DPA