Software Neue Management-Ära ohne Firmengründer bei SAP

Mit dem Rückzug von Hasso Plattner aus dem Tagesgeschäft des Software-Konzerns SAP verlässt der letzte der Firmengründer den Vorstand - kündigt sich damit ein Richtungswechsel an?

Mit dem Rückzug von Hasso Plattner aus dem Tagesgeschäft des Software-Konzerns SAP beginnt für das Unternehmen eine neue Ära. In den Jahren nach der Entstehung 1972 hatten stets die SAP-Gründer das Sagen in Walldorf, sie fällten die strategischen Entscheidungen für «ihr» Unternehmen. Dann zog sich einer nach dem anderen zurück. Nach dem Wechsel von Dietmar Hopp in den Aufsichtsrat 1998 verblieb Plattner als einziger des einstigen Fünfer-Gespanns im Vorstand. Künftig steht mit seinem bisherigen Kompagnon Henning Kagermann erstmals ein Manager an der SAP-Spitze, der das Unternehmen nicht von Anfang an kennt.

Plattner verschwand im Hintergrund

Plattners Rückzug hatte sich in den vergangenen Wochen bereits angekündigt. Er fehlte auffallend oft bei wichtigen Veranstaltungen, und während der Bilanzvorlage Ende Januar in Frankfurt war der begeisterte Segler auf dem Atlantik zwischen Rio de Janeiro und Kapstadt unterwegs. Angeblich war schlechtes Wetter an seiner Abwesenheit Schuld. Interviews gab zuletzt nur noch Kagermann, obwohl zu Plattners Aufgaben im Vorstand die Unternehmenskommunikation gehört. Anfang Februar gab der 59-jährige schließlich die Verantwortung für die technologische Entwicklung an seinen 34 Jahre alten Vorstandskollegen Shai Agassi ab.

Ungleiches Duo

In den vergangenen Jahren lenkte ein ungleiches Duo den Software-Riesen. Kagermann, der in Theoretischer Physik habilitierte, gilt als Stratege mit kühlem Kopf, der nach außen eher zurückhaltend wirkt. Im Firmen-Video, das SAP am Mittwoch auch auf der Computermesse CeBIT zeigte, dominiert Plattner, der als hemdsärmeliger, impulsiver Typ die Erfolgsgeschichte von SAP wie kein anderer verkörpert. Seine charismatische Ausstrahlung wird nach Einschätzung von Beobachtern schwer zu ersetzen sein.

SAP schaffte Rückkehr

SAP ist Weltmarktführer für betriebswirtschaftliche Standard-Software, welche die Geschäftsprozesse in großen Firmen lenkt. Gemeinsam steuerten Plattner und Kagermann durch die vielleicht schwierigste Zeit des Unternehmens. Lange galt es als ausgemacht, dass SAP die Revolution des Internets verschlafen hat und im Kampf gegen kleine und große amerikanische Konkurrenten an Boden verlieren würde. Doch mit der Internet-fähigen Software-Version mySAP holten die Walldorfer den Rückstand rasch auf. Seit dem Einbruch der «New Economy» profitiert SAP außerdem vom Trend zu etablierten Herstellern.

Optimistisch für die Zukunft

Zwar hinterließ die Konjunkturkrise auch in der SAP-Bilanz ihre Spuren, 2002 stagnierte der Umsatz. Kagermann zeigte sich auf der CeBIT dennoch optimistisch und hält mittelfristig eine Rückkehr zu zweistelligen Wachstumsraten in der Software-Branche für möglich. Im Vorstand kann der 55-jährige auf potente Mitstreiter zählen. Sowohl Agassi als auch der Vertriebsprofi Leo Apotheker (48) haben den Höhepunkt ihrer Karriere wohl noch vor sich. Damit dürfte das Unternehmen auch für die Epoche nach Kagermann gerüstet sein. Die Gründerzeit bei SAP ist damit endgültig vorbei.

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