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Teure Behörden-Planung Stadt plant Park-Treppe für mindestens 45.000 Euro - Rentner baut sie für 375 Euro

In Toronto hat die Stadtverwaltung ein Treppe geplant. Kalkulierte Baukosten: umgerechnet mindestens 45.000 Euro. Das erschien dem 73-jährigen Adi Astl doch ein wenig teuer für eine Treppe, die nur wenige Meter Höhenunterschied überbrücken soll.
Also hat er mit Hilfe eines Obdachlosen selbst eine schlichte, aber stabile Holztreppe gebaut. Materialkosten: umgerechnet 375 Euro. So konnten Parkbesucher ungefährlich zu den dortigen Schrebergärten sowie zu einem Fußballplatz kommen.
Die Behörden reagierten anders als erwartet: Sie sperrten die Treppe erst und bauten sie dann ab. Begründung: Sie sei nicht sicher genug. Die großen Kosten für die geplante Treppe begründete die Stadt mit der höheren Sicherheit und der Langlebigkeit. Torontos Bürgermeister John Tory will nun trotzdem eine günstigere Treppe bauen lassen. So war die Aktion von Adi Astl wenigstens nicht umsonst.

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Wenn Behörden Bauvorhaben planen, schießen die Kosten schnell in die Höhe. Ein Mann hat der Stadt Toronto nun rund 44.500 Euro eingespart. Er baute eine Park-Treppe einfach selbst. Jetzt wurde sie abgerissen. Sinnlos war die Aktion dennoch nicht.

Dass es von staatlicher Seite immer wieder zu extremen Beispielen von Steuerverschwendung kommt, ist nichts Neues. In Toronto hat ein Mann die örtlichen Behörden nun besonders krass vorgeführt. Er hatte keine Lust, darauf zu warten, dass die Stadt eine mit zwischen 65.000 und 150.000 kanadischen Dollar (etwa 45.000 - 100.000 Euro) kalkulierte Treppe fertig plant. Er baute einfach selbst eine - für weniger als ein Hundertstel des Preises.

Der 73-jährige Adi Astl bezahlte gerade einmal 550 kanadische Dollar, etwa 375 Euro, für Materialien, berichtet die "Toronto Sun". Innerhalb von 12 Stunden hatte er mit Hilfe eines 45-jährigen Obdachlosen das geschafft, wofür die Stadt Monate geplant hatte: Sie hatten einen Hügel am Eingang eines Parks mit einer schlichten, aber stabilen Holztreppe versehen.

Gefährlicher Hügel

Vorher gingen täglich Dutzende Parkbesucher, vor allem Senioren und Kinder, den ungesicherten Hügel hinab, um das unten gelegene Fußballfeld und die Schrebergärten zu erreichen. "Es war eine sehr gefährliche Situation", erklärte Astl gegenüber der Zeitung. Seine Frau ergänzte: "Eine Dame unserer Gartengruppe brach sich an einem der Felsen das Handgelenk. Viele sind dort gefallen." Die beiden hatten sich deswegen bereits vor Monaten bei der Stadt gemeldet und sich für den Bau einer Treppe eingesetzt.

Die für Parks, Erholungsgebiete und Wälder im Stadtgebiet verantwortliche Behörde reagierte allerdings alles andere als begeistert auf den Eigenbau: Sie ließ die neue Treppe zunächst mit Sicherheitsband absperren. Am Freitag wurde sie dann abgebaut. Die "illegale Treppe" würde nicht den Sicherheitsstandards entsprechen. Auf die vorherige Situation angesprochen, sagte die Behörde der Zeitung: "Die Sicherheitserwartungen sind bei einer Treppe eben höher als bei einem Hügel."

Woher kommt der hohe Preis

Doch warum war die von der Stadt geplante Treppe so teuer? Es habe sich um ein deutlich langlebigeres Konstrukt gehandelt, so die Stadt. In der großen Kostenspanne seien aber verschiedene Varianten von einem einfachen Steinmodell bis zur voll aus Stahl konstruierten Treppe enthalten.

Nutzlos war Astls Aktion nicht: Torontos Bürgermeister John Tory hat sich durch die schlechte Presse zum Handeln entschlossen: Er will eine neue Treppe bauen - zum deutlich kleineren Preis. "Ich danke Mr. Astl, sich in dieser Sache eingesetzt zu haben. Seine Selbstbau-Treppe hat ein Zeichen gesetzt, dass die Stadt laut und klar gehört hat", erklärte der Bürgermeister. Zur vorherigen Planung seiner Parkbehörde hatte er nur eines zu sagen. Sie sei "völlig lächerlich und völlig außer Spur mit der Realität".

mma

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