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Stellenabbau: Die "Großen Vier" als Jobkiller

Durch die massiven Stellenstreichungen bei Telekom, Mercedes, Siemens und Deutscher Bank gehen über 36.000 Jobs verloren. Das besondere: Die meisten dieser Firmen machen Rekordgewinne - und wollen drastische Kostensenkungen.

Telekom, Mercedes, Siemens, Deutsche Bank: Die Aufzählung liest sich wie ein "Who is Who" der deutschen Wirtschaft. Es ist aber auch die Liste der Top-Unternehmen, die in den letzten Wochen Monaten massive Stellenkürzungen bekannt gegeben haben. Zwei davon - Telekom und Deutsche Bank - glänzten zuletzt mit Rekordgewinnen. Die Telekom, die im August noch ein bereinigtes Betriebsergebnis (Ebitda) in der Rekordhöhe von 10,1 Milliarden Euro bekannt gegeben hat, streicht jetzt 19.000 Stellen. Die Hauptwucht muss dabei der Bereich Breitband/Festnetz tragen, wo der ehemalige Monopolist wegen des harten Wettbewerbs zuletzt kräftig Federn gelassen hat.

Beinhartes Kostenmanagement

Ähnlich die Situation bei der Deutschen Bank: Der deutsche Branchenprimus hatte im Februar die Streichung von 1.900 Stellen in Deutschland und insgesamt 6.400 Jobs weltweit angekündigt und gleichzeitig das besten Geschäftsergebnis seit vier Jahren verkündet mit einem Jahresüberschuss von 2,5 Milliarden Euro (plus 87 Prozent). Mit den Personaleinsparungen will Konzernchef Josef Ackermann die Bank auf das Renditeziel von 25 Prozent trimmen. Und er ist auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen: Die Deutsche Bank glänzte am vergangenen Freitag mit einem Rekordgewinn: Das Ergebnis vor Steuern schnellte im dritten Quartal um 87 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro nach oben. Nie zuvor hat das größte deutsche Kreditinstitut in einem dritten Quartal so viel verdient. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern betrug 29 Prozent im dritten Quartal und 28 Prozent in den ersten neun Monaten.

Mercedes kündigte Ende September die Streichung von 8500 Jobs in Deutschland an. Der Abbau von etwa jeder zwölften Stelle im Inland soll die Kosten senken und den Autobauer fitter machen für die Zukunft, wie das Unternehmen zur Begründung erklärtet. Einen Monat später zeigt sich bei der Vorlage des Ergebnisses fürs dritte Quartal, dass die Mercedes Car Group ihren Gewinn kräftig von 304 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 436 Millionen Euro gesteigert hat.

Auch bei AEG und Conti wackeln Jobs

Bei Siemens zog der neue Vorstandschef Klaus Kleinfeld nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal die Reißleine. Bei der Siemens-Tochter SBS fallen 2400 Stellen weg, außerdem wird die Logistiksparte zerschlagen, verlustreiche Teile mit rund 5000 Mitarbeitern werden ausgegliedert. Zählt man diese Zahlen zusammen, summieren sich die Stellenstreichungen allein bei diesen "Großen Vier" auf 36800. Doch damit ist vermutlich das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. So gab es zuletzt Berichte, dass Siemens bei SBS zusätzliche 1000 Stellen abbauen will. Hinzu kommen zahlreiche andere Unternehmen, die nicht ganz so prominent im Scheinwerferlicht stehen.

So wackeln beispielsweise beim Hausgerätehersteller AEG-Elektrolux in Nürnberg 1200 Stellen. Der Halbleiterhersteller Infineon schließt im März 2007 sein Werk in München, 800 Jobs bleiben auf der Strecke. Samsung will sein Berliner Bildröhrenwerk schließen. 750 Beschäftigte wären davon betroffen. Zusammen mit Zuliefererfirmen gingen sogar mehr als 1000 Jobs verloren. Bei der Pkw-Reifen-Produktion von Continental in Hannover stehen 400 Arbeitsplätze auf der Kippe.

Michael Bauer/AP / AP