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Stephan Schambach: Intershop-Gründer geht, um Lebenswerk zu retten

Intershop-Gründer Stephan Schambach hat lange gezögert und viel versucht, bevor er das Steuer abgegeben hat. Aber letztendlich hat die die Veranwortung für sein Lebenswerk doch gesiegt.

Intershop-Gründer Stephan Schambach hat lange gezögert, das Steuer abzugeben und er hat viel versucht: Mehrere Sparaktionen seit 2001 mit drastischem Stellenabbau, die Verlagerung der Firmenzentrale aus den USA zurück nach Jena, die Trennung von Mitgründer Wilfried Beeck. Im vergangenen Jahr nahm der Vorstandschef sogar zehn Millionen Euro aus der Privatschatulle, um die Unternehmenskasse aufzubessern. Doch das hat nicht gereicht.

"Old Economy" soll helfen

Kunden der Jenaer Programme für den Handel im Internet sind ob der ungewissen Zukunft der Software-Schmiede verunsichert, Aktionäre schlagen Alarm. "Sein oder nicht sein, das war und ist bei Intershop die Frage", konstatierte Aktionärsschützer Dirk Unrau bei der Hauptversammlung im Mai. Eigentlich sollten in diesem Jahr die Früchte der harten Sanierungsaktionen geerntet werden. Doch die Hiobsbotschaften vom einstigen Aushängeschild der ostdeutschen Internet-Wirtschaft rissen nicht ab. Am Montag zog Schambach, der eher als Internet-Visionär denn als Betriebswirtschaftler gilt, die Konsequenzen. Nun soll es der 23 Jahre ältere Finanzvorstand Jürgen Schöttler richten - ein Mann der "Old Economy" und der nüchternen Zahlen.

Vom Senkrechtstarter...

Für den 32-Jährigen Schambach kein leichter Schritt. Die Verantwortung für das operative Geschäft hatte er vorübergehend zwar schon einmal abgegeben, aber am Vorstandsvorsitz festgehalten. Schließlich ist Intershop sein Lebenswerk. Viele Jahre galt Schambach als Senkrechtstarter. Er war der ostdeutsche Youngster, der nach der deutschen Wiedervereinigung die Ausbildung abbrach und 1992 mit Anfang 20 in Jena eine Firma gründete, die es sechs Jahre später an die Börse in Frankfurt und an die US-Computerbörse NASDAQ schaffte.

...zum Buhmann

Mit dem Ende der Internet-Blase kam Intershop ins Trudeln, obwohl die Programme aus Jena in der Bewertung von Fachleuten gut abschneiden. Alle wollten plötzlich Gewinne statt Wachstum sehen. Inzwischen muss Schambach selbst mit Spott leben: "Minishop" wird die Firma schon mal genannt in Anspielung darauf, dass von den einst mehr als 1.000 Beschäftigten wahrscheinlich nur 200 bleiben.

Nie aufgegeben

Auch äußerlich ist Schambach die Veränderung anzusehen. Der blonde, eher leise Mann wirkt noch blasser als sonst. Das US-Outfit ist Anzug und Schlips gewichen. Im Gegensatz zu anderen einstigen Börsenstars zog sich der Familienvater aber nicht schmollend zurück und wendete sich mit dem Geld aus besseren Tagen den schönen Seiten des Lebens zu.

Bleibt in der zweiten Reihe

"Man kann eine Firma nicht nur gesund sparen", hat Schambach vor einigen Wochen erkannt. Schöttler sagt es anders: "Derzeit beißt sich die Katze in den Schwanz". Weil Intershops Geldreserven schmelzen, halten sich die Kunden zurück, der Umsatz sinkt. Das Vertrauen von Investoren, die als Geldgeber dringend gebraucht werden, soll der diplomierte Ökonom Schöttler, der langjährige Erfahrung als Finanzmann hat, schaffen. Schambach bleibt aber - allerdings in der zweiten Reihe - als einer von drei Vorständen. Er will sich künftig ganz auf Strategie und die Verfeinerung der Programme konzentrieren. "Das ist seine Stärke", sagt Schöttler. Schambach bleibt Optimist: "Der Markt für Online-Software wird wachsen." Immerhin machen einige bereits totgesagte Internet-Firmen doch noch Gewinne.