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stern-Branchencheck Apotheken: Schwache Beratung, überteuerte Angebote

Viel zu viele Apotheken, überteuerte Medikamente, Schwächen in der Beratung - es liegt einiges im Argen in der deutschen Pharmazie-Branche. Das zeigt der aktuelle Check des stern.

Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Friedemann Schmidt, sieht in seiner Branche dringenden Modernisierungsbedarf. "Bei der fachlichen Innovation hat unser Berufsstand einen deutlichen Rückstand", sagte er dem stern, der sich in dieser Woche in seinem Branchencheck kritisch mit dem Geschäft der Pharmazeuten auseinandersetzt. "International hängen wir bestimmt zehn Jahre hinterher", so der Leipziger Apotheker, der dem Spitzenverband seit Anfang des Jahres vorsteht.

Tests und Stichproben haben in letzter Zeit immer wieder die Beratungsqualität als Schwachpunkt im Arzneimittelgeschäft genannt – dabei preisen die Apotheker gerade ihre hohe Qualifikation häufig als Qualitäts-Argument an. Im stern kündigt Schmidt gegenüber Beratungstests mehr Offenheit an. Er erkenne an, "dass die meisten Tests nach Regeln stattfinden, die man akzeptieren kann", sagte er.

Fast 5000 Apotheken zuviel

Dass deutsche Pharmazeuten ihren Kunden viel zu oft sinnlose Heilmittel und überteuerte Produkte verkaufen, darauf weist auch Gerd Glaeske hin, Professor für Arzneimittelversorgung an der Universität Bremen. Für viele freiverkäufliche Medikamente gäbe es bessere Alternativen, auf die Apotheker aufmerksam machen müssten. Im stern zählt er für 20 Präparate verträglichere Alternativen auf.

Mit 20.921 Apotheken besitzt Deutschland ein ungewöhnlich dichtes und damit teures Versorgungssystem. Laut stern würden "selbst beinharte Lobbyisten unter der Hand einräumen, dass 16.000 Apotheken genügten."

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