Steuerfahndung Razzia bei Postchef Zumwinkel


Die Polizei hat das Privathaus und das Büro des Post-Chefs Klaus Zumwinkel durchsucht. Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen den Top-Manager. Es wird geprüft, ob Zumwinkel über zehn Millionen Euro am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust hat.

Die Polizei hat die Privatvilla und das Büro des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, durchsucht. Gegen den Topmanager soll ein Haftbefehl wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung vorliegen. Die Staatsanwaltschaft prüfe, ob Zumwinkel über zehn Millionen Euro am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust habe.

Die Deutsche Post bestätigte, dass gegen Vorstandschef Zumwinkel ermittelt wird. "Das Büro in der Bonner Zentrale ist am Morgen durchsucht worden", sagte Post-Pressesprecher Uwe Bensien zu stern.de. Zum Tatvorwurf Steuerhinterziehung wollte Bensien sich nicht äußern und verwies auf die Bochumer Staatsanwaltschaft, die sich im Laufe des Tages äußern wolle.

Ermittler begannen in der Früh mit Razzia

Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte Durchsuchungen in Bonn und Köln "wegen eines Steuerstrafverfahrens". Der Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Wirtschaftskriminalität, Bernd Bieniossek, wollte jedoch weder bestätigen, dass sich die Durchsuchungen gegen Postchef Klaus Zumwinkel richteten, noch dass die Büro- oder Privaträume Zumwinkels im Visier der Ermittler stehen. "Während einer laufenden Aktion gibt es keine solche Aussagen", sagte Bieniossek. Auch die Kölner Polizei konnte keinen näheren Angabe machen. "Wir wissen von nichts", sagte ein Polizeisprecher.

Die Ermittler begannen mit ihren Razzien zeitgleich gegen sieben Uhr in der Zentrale des Konzerns in Bonn und in der Villa Zumwinkels im Kölner Stadtteil Marienburg. In der Villa des Postchefs, vor der morgens um sieben Uhr mindestens zehn Beamte in Zivil erschienen waren, waren die Vorhänge zugezogen. Die Operation sei seit Wochen unter strengster Geheimhaltung geplant worden. Klaus Zumwinkel, der auch Aufsichtsratschef der Telekom und der Postbank ist, steht seit fast 19 Jahren an der Spitze der Deutschen Post. Sein Vertrag läuft im Herbst aus.

Ministerium lehnt Stellungnahme ab

Nach "Spiegel"-Informationen wird dem Post-Chef Steuerhinterziehung mit Hilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein vorgeworfen. Das Vermögen der Stiftung betrug zuletzt mehr als zehn Millionen Euro. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts soll hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegte, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern, wie "Spiegel"-Online weiter berichtete.

Die Bundesregierung erklärte, die Angelegenheit sei Sache der Staatsanwaltschaft. "Das haben wir nicht zu kommentieren", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Der Bund ist nach wie vor größter Einzelaktionär der Post.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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