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Streaming-Dienste: Megadeal in der Musikbranche? Spotify will offenbar SoundCloud schlucken

SoundCloud galt lange als Juwel der Berliner Start-up-Szene, hatte aber zuletzt mit Problemen zu kämpfen. Nun will offenbar Platzhirsch Spotify das Unternehmen kaufen. Für die Schweden gilt es auch darum, sich Apple und Amazon vom Leib zu halten.

Die Listenmacher bei Spotify können ein Lied zum globalen Hit machen

Millionen von Nutzern hören Musik über Online-Dienste. Die Musikstreaming-Branche ist entsprechend hart umkämpft.

Bahnt sich da ein Megadeal im Musikstreaming-Bereich an? Der schwedische Branchen-Primus Spotify will offenbar den Berliner Konkurrenten SoundCloud schlucken. Die beiden Firmen seien in fortgeschrittenen Übernahmegesprächen, auch wenn ein Deal noch scheitern könne, schrieb die "Financial Times" in der Nacht zum Donnerstag unter Berufung auf informierte Personen.

SoundCloud hatte zuletzt Schwierigkeiten

Über den Kaufpreis wird spekuliert. In den vergangenen Finanzierungsrunden hielt sich die Bewertung von SoundCloud laut Medienberichten bei 700 Millionen Dollar. Bloomberg berichtete zudem im Sommer, SoundCloud erwäge, sich für eine Milliarde Dollar zum Verkauf zu stellen. Im Juni holte sich das Unternehmen bei der jüngsten Finanzspritze 100 Millionen Dollar von Investoren, unter anderem von Twitter.

SoundCloud startete 2007 zunächst als Plattform für von den Usern hochgeladene Musik. Inzwischen handelte die Firma aber auch Deals mit großen Plattenfirmen aus, z.B. Universal und Sony. Die Firma gilt vielen als Juwel der Berliner Start-up-Szene, hatte aber zuletzt auch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. So schaffte es etwa der Ende März ins Leben gerufene kostenpflichtige On-Demand Dienst "SoundCloud Go" nicht, sich nennenswert im Markt zu platzieren.

Spotify könnte Amazon und Apple auf Distanz halten

Von einer Übernahme könnten also beide Unternehmen profitieren: Spotify könnte sich auf einen Schlag die nach früheren SoundCloud-Angaben bis zu 175 Millionen Nutzer sowie eine Bibliothek mit etwa 125 Millionen Songs einverleiben. Darunter auch viele Titel von unabhängigen Musikern und DJs, die bislang nicht bei den Schweden im Portfolio vertreten waren.

Damit könnten die Schweden in der hart umkämpften Branche den Abstand zu Konkurrenten wie Apple und Amazon ausbauen. SoundCloud - und vor allem seine früheren Investoren - wiederum könnten von einem nach Angaben von "The Verge" für 2017 anvisierten Börsengangs Spotify profitieren.

Spotify selbst dürfte die Übernahme nicht allzu weh tun. Der Wert des schwedischen Unternehmens wird auf etwa 8,5 Milliarden Dollar taxiert. Nach eigenen Angaben hat der Dienst 40 Millionen zahlende User. Die Gesamtzahl der aktiven Spotify-Nutzer wird auf etwa 100 Millionen geschätzt.

Beide Unternehmen kommentierten die Übernahmegerüchte bislang nicht.

rös/dpa