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Streik der Gebäudereiniger: "Der Aufstand der Unsichtbaren hat begonnen"

Einige Büroangestellte werden sich heute schon gefragt haben, warum ihr Arbeitsplatz über Nacht dreckig geblieben ist. Der Grund ist schnell gefunden: Die Gebäudereiniger haben den ersten unbefristeten Streik in ihrer Geschichte gestartet.

Mit Arbeitsniederlegungen in fast allen Bundesländern haben am Dienstagmorgen rund 1000 Gebäudereiniger ihren ersten unbefristeten Streik begonnen. Wie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt in Frankfurt am Main mitteilte, machten Reinigungsleute an der Universität Magdeburg bereits um Mitternacht den Anfang. Mit Beginn der jeweiligen Frühschichten kamen der Gewerkschaft zufolge Aktionen in fast allen Bundesländern hinzu.

In den nächsten Tagen sollen weitere Streikobjekte folgen. Die Stimmung unter den Streikenden und die Beteiligung an den Aktionen sei hervorragend, teilte die IG BAU mit. "Der Aufstand der Unsichtbaren hat begonnen", erklärte ein Sprecher. In zahlreichen Büros, öffentlichen Verwaltungen und Krankenhäusern sei "der Dreck liegengeblieben". In besonders kritischen Bereichen, wie etwa in Intensiv- und Notfallkliniken habe die Gewerkschaft Notdienste vereinbart. Das Motto des Streiks lautet "Schmutziger Herbst".

"Wir wollen dafür sorgen, dass sich die Arbeitgeber nicht auf unseren Streik einstellen können. Deshalb werden wir jeden Tag entscheiden, welche Objekte wir als nächstes bestreiken", sagte der IG-Bau-Regionalleiter von Berlin-Brandenburg, Rainer Knerler.

Mindestlohn in der Branche weggefallen

Von dem Tarifstreit sind 860.000 Beschäftigte der Branche betroffen. Die Gewerkschaft fordert 8,7 Prozent mehr Lohn. Das entspreche in der untersten Lohngruppe einer Erhöhung um 71 Cent pro Stunde. Das letzte Angebot der Arbeitgeber lag bei 1,8 Prozent im Westen und 2,1 Prozent im Osten. Die Gewerkschaft verlangt außerdem eine stufenweise Anpassung der Ost- an die Westlöhne und eine zusätzliche Altersvorsorge. Bei Durchschnittslöhnen von monatlich 800 Euro könnten selbst Vollzeitkräfte kaum privat vorsorgen, heißt es.

In der Branche war zum 1. Oktober der Mindestlohn weggefallen, weshalb die Gewerkschaft mit einem ruinösen Dumping-Wettbewerb rechnet. Mehrere Verhandlungsrunden mit den Arbeitgebern hatten nicht zu einer Einigung geführt.

AP/DPA/AFP / AP / DPA