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Studie des Verbraucherschutzministeriums: Experten werfen Banken Dispozins-Abzocke vor

Seit Jahren werden die Geldinstitute beschuldigt, Kunden bei überzogenen Konten schamlos zur Kasse zu bitten. Eine Studie für die Regierung bestätigt den Verdacht.

Deutsche Banken verlangen nach Einschätzung von Experten zu hohe Zinsen für Dispokredite. In einem Gutachten für Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner kommen die Autoren nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag zu dem Ergebnis, dass die Zinsen deutlich zu hoch sind. Aigner will die Studie am Donnerstag vorstellen.

Im Bundesdurchschnitt nehmen die Banken 12,4 Prozent Zinsen. Spitzenreiter bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest im vergangenen Jahr war die nordrhein-westfälische Volksbank Randerath-Immendorf mit einem Dispozinssatz von 18,25 Prozent. Die Experten kritisieren in ihrem Gutachten dem Bericht zufolge, dass "die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen". Laut Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung und des Instituts für Finanzdienstleistungen könnten die Banken auch mit einem Zinssatz von zehn Prozent profitabel arbeiten.

Keine Gesetze, mehr Transparenz

Das Extra-Geld werde "zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet". Die Rechtfertigung der Banken, dass sie hohe Kosten decken und das Ausfallrisiko absichern müssten, wird durch die Studie zerschlagen. Das Ausfallrisiko liegt mit 0,3 Prozent bei Dispokrediten deutlich unter den 2,5 Prozent Ausfallrisiko bei normalen Konsumkrediten. Auch habe sich - so die Experten - der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand in den vergangenen Jahren nicht erhöht. Die Zinsen hingegen schon. Die Deutschen überziehen ihre Konten jährlich um 40 Milliarden Euro - 500 Euro pro Bürger.

Aigner wird aber trotz der eindeutigen Ergebnisse wohl keine Gesetzesinitiative vorschlagen. Denn sie hat die Argumentation der Experten übernommen: Ein gesetzlich festgelegter Zinssatz würde Banken, die derzeit günstig sind, dazu animieren, ihre Sätze anzuheben. Andere Banken könnten die entgangenen Einnahmen durch Kontoführungs- oder Überweisungsgebühren wieder reinholen. Dies würde jedoch alle Kunden machen und nicht nur diejenigen, die ihre Konten überziehen. Aigner will versuchen, das Problem mit Transparenz zu lösen und fordert die Bürger auf, sich zu informieren, wie hoch der Dispozinssatz überhaupt liege. "Wollen die Banken den Kredit bei den Kunden nicht verspielen, müssen sie runter von überhöhten Dispozinsen."

swd/Reuters / Reuters
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