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Aus nach zehn Monaten: Supermarkt-Lieferdienst "Shopwings" gibt auf

Einkäufe aus dem Supermarkt direkt an die Haustür liefern. Mit dieser Idee wollte "Shopwings" viel Geld verdienen. Doch Kunden und Einzelhändler machten da nicht mit.

Einkäufe im Einkaufswagen

Volle Einkaufswagen gehören doch noch nicht der Vergangenheit an. Der Supermarkt-Lieferdienst "Shopwings" gibt auf.

Schuhe, Bücher, Haushaltsgeräte und Blumen - die Deutschen kaufen immer mehr im Internet. Die Plattform "Shopwings" wollte da kräftig mitmischen und startete im vergangenen Jahr einen Lieferdienst für Supermarktprodukte. Zunächst nur in München und Berlin konnten sich Kunden auch tatsächlich rund 20.000 Artikel von Aldi, Lidl, Edeka und Alnatura liefern lassen. Nur zehn Monate nach Gründung ist damit schon wieder Schluss. Wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" aus Branchenkreisen erfuhr, will das Unternehmen den Dienst in der kommenden Woche einstellen.

Hinter dem Start-Up steckte der umstrittene Unternehmer Oliver Samwer, der zusammen mit seinen Brüdern Marc und Alexander schon länger wegen seiner Geschäftspraktiken kritisiert wird. Auch "Shopwings" geriet von Beginn an ins Visier der Kritiker. Die Boten des Lieferdienstes wurden nicht fest eingestellt, sondern arbeiteten ähnlich wie bei dem umstrittenen Taxidienst "Uber" auf freiberuflicher Basis. Für das schnelle Aus des Unternehmens dürfte aber eher die mangelnde Akzeptanz bei Kunden und Einzelhändlern geführt haben.


Datenaustausch mit den Händlern scheiterte

Wer bei "Shopwings" seine Einkäufe orderte, musste neben einer Liefergebühr von 4,90 Euro auch höhere Preise für die Produkte in Kauf nehmen. Das Unternehmen rechnete auf die Supermarktpreise noch einen Aufschlag dazu. Dieses Geschäftsmodell scheint nicht aufgegangen zu sein. Das zeigt sich vor allem daran, dass "Shopwings" zuletzt versuchte, bei den Einzelhändlern eine Gebühr für Waren, die über die Plattform bestellt wurden, zu erheben. Die Händler machten da allerdings nicht mit. Zudem verweigerte der Handel den Datenaustausch mit dem Unternehmen. Das wurde für "Shopwings" zum Problem, da auch für online angebotene Produkte laut Lebensmittelverordnung Informationen wie Herkunft, Nährwerte und Zutaten angegeben werden müssen. 


Trotz des Aus in Deutschland will "Shopwings" aber weitermachen - und zwar in Südostasien. Die nötigen Domains hat sich das Unternehmen bereits gesichert. So gibt es "Shopwings" bereits in Australien, wo Aldi bereits zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für den australischen Einzelhandel geworden ist. Ob der Lieferdienst an diesen Erfolg anknüpfen kann, wird sich erst noch zeigen müssen.

db
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