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Susanne Klatten: Erbe verpflichtet - nicht

Sie ist die drittreichste Deutsche, nun wird sie noch ein bisschen reicher, weil sie Teile des Altana-Konzerns verkauft: Susanne Klatten, Erbin der Quandt-Dynastie. Doch ihr sozialer Ruf ist angekratzt.

Von Klaus Max Smolka

Zweimal im Jahr lädt die Herbert-Quandt-Stiftung illustre Gäste nach Bad Homburg. Die Stiftung des Chemie- und Pharmakonzerns Altana ist dann Gastgeberin der Sinclair-Haus-Gespräche, bei denen Prominente aus Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur und Politik über Fragen der Gesellschaft diskutieren. Die Gespräche sind eines der Aushängeschilder des Altana-Konzerns, der sich gerne als kulturell und sozial verantwortungsbewusster Corporate Citizen darstellt. Als Vorsitzende des Stiftungsrates ist üblicherweise auch Susanne Klatten aus der Familie Quandt dabei. Sie ist Mehrheitseignerin und Aufsichtsrätin von Altana.

Beim Treffen im vorigen November ging es um "Unternehmerischen Patriotismus in Zeiten globaler Märkte" - doch mancher Zuhörer spürte während der Vorträge einen faden Beigeschmack. War doch gerade durchgesickert, dass Klatten eine nicht unbedingt patriotische Entscheidung getroffen hatte: das Pharmageschäft nach einigen Rückschlägen in der Forschung zu verkaufen. Der Erwerber, das zeichnete sich früh ab, würde aus dem Ausland kommen, und er würde sich kaum mit einer Minderheitenrolle abgeben. Das Dax-Unternehmen wandelt sich damit in eine kleine Chemiefirma in Wesel; der Sitz in Bad Homburg wird obsolet.

Rückzug mit Gewinn

Nach fast einem Jahr Suche haben Klatten und der ihr gegenüber loyale Vorstand unter Nikolaus Schweickart die Wahl getroffen: den von Finanzinvestoren gehaltenen dänischen Konzern Nycomed. Am Donnerstag soll der Aufsichtsrat zustimmen.

Klatten zieht sich mit hübschem Gewinn aus dem Pharmageschäft zurück, trotz des unerwartet niedrigen Verkaufspreises von 4,5 Milliarden Euro. Denn Klatten hat erfreut erleben können, wie in knapp 30 Jahren aus einem kleinen Abspaltprodukt des Varta-Konzerns ein Milliardenunternehmen in der Dax-30-Landschaft wurde.

Doch das Image der sozial verantwortlichen Industriellen ist angekratzt. Sie hatte ihren Ruf bei der Verkaufsankündigung pflegen wollen, als Schweickart betonte, nicht an einen Finanzinvestoren zu verkaufen. Pech: Niemand sonst war interessiert. Die Zusage wurde damit Makulatur.

Platz 3 unter den reichsten Deutschen

Klatten tritt öffentlich so wenig auf wie möglich. Wo es unvermeidlich ist, hält sie sich im Hintergrund - ob bei gesellschaftlichen Veranstaltungen daheim oder den Festlichkeiten zum Altana-Börsengang in New York. Als Tochter von Herbert Quandt geboren, ließ sie sich nach dem Abitur zur Werbekauffrau ausbilden, studierte Betriebswirtschaft in Großbritannien. Sie war Assistentin der Geschäftsführung bei Burda, widmete sich ab 1991 Aufsichtsratstätigkeiten in Unternehmen, an denen sie Beteiligungen als Miterbin ihres Vaters erhalten oder selbst erworben hatte. Das "Manager Magazin" führte sie in seiner Liste der reichsten Deutschen zuletzt auf Platz drei mit geschätzten 7,8 Milliarden Euro.