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"In der Falle" mit Claudia Michelsen ARD-Film mit großen Parallelen zum Fall der BMW-Erbin Susanne Klatten


Eine erfolgreiche Frau wird nach einer Liebesaffäre erpresst: Ein Drama im Ersten zeigt erstaunliche Parallelen zum Fall der BMW-Erbin Susanne Klatten. Warum der Film um Klassen besser ist als die erste Klatten-Verfilmung von 2012.

Bei manchen Menschen läuft im Leben alles wie am Schnürchen, keinerlei Sorgen sind in Sicht. Bis eines Tages dieses scheinbare Idyll zerstört wird, weil etwas völlig Unerwartetes geschieht. Darum geht es in dem Film "In der Falle", der an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.

Simone Carstensen-Kleebach (Claudia Michelsen) ist eine Frau, die scheinbar alles hat: Sie führt seit 20 Jahren eine glückliche Ehe mit Frank (Bernhard Schütz), hat eine Tochter und ein schönes Haus - und sie ist erfolgreich als Aufsichtsrätin in der eigenen Hamburger Firma tätig. Doch nun sucht sie inkognito etwas Entspannung bei Wellness und Strandspaziergängen auf der Nordseeinsel Norderney - wo sie allerdings nicht lange allein bleiben wird. 

Eine Affäre mit Folgen

Im Hotel-Restaurant fällt ihr ein attraktiver Mann auf: Leon (Michael Rotschopf) bemüht sich fortan um sie, es gibt anscheinend zufällige Begegnungen im Fahrstuhl, im Schwimmbad oder am Strand. Sie beginnt eine Affäre mit ihm, die ungeahnte Folgen haben wird: Leon erpresst Simone schließlich mit kompromittierenden Sex-Fotos und verlangt fünf Millionen Euro. Zudem kommt sie einer Intrige im Familienunternehmen auf die Spur, in die auch ihre Mutter Adele (Tina Engel) und ihr Bruder Clemens (Philipp Hochmair) verstrickt zu sein scheinen.

Genau das ist das Kernthema des Films: Nichts ist mehr so, wie es zu sein scheint. Regisseurin Nina Grosse (57) erzählt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Die Figur der Simone war für mich immer eine protestantische Figur, mit einem hohen Moralkodex und einem ebenso starken Arbeitsethos." Simone habe bestimmt nicht vor, in ihrem Urlaub eine Affäre oder eine Liebesgeschichte anzufangen, so die Regisseurin. "Aber es passiert ihr, und ich glaube, dass es ihr wirklich zum ersten Mal in ihrem Leben passiert. Auf jeden Fall ist bei Simone in ihrer Lebens- und Arbeitsroutine etwas verschüttgegangen. Genau da dockt Leon ja an und sagt ihr auf den Kopf zu, dass sie ein Abenteuer sucht. Sie denkt und hofft, dass sie das alles hinter sich lassen kann, sobald sie die Insel und Leon verlässt. Was sich als großer Irrtum herausstellen wird."

Ihr sei es immer wichtig gewesen, diese Geschichte ohne jede Wertung zu erzählen und Simone nicht als Opfer darzustellen, sagt Grosse. "Im Gegenteil, sie gewinnt durch diesen Verrat an Stärke, hat ihre Grenzen erweitert. Was das Ehepaar betrifft und wie es mit ihnen weitergeht, kann ich nicht eindeutig beantworten. Da ist nicht alles gekittet, da ist nichts auserzählt, das Leben geht weiter."

Parallelen zu Susanne Klatten

So ist es wohl, doch die Interpretation über das Ende wie auch über die Beweggründe für das unerwartete Handeln dieser Frau überlässt Nina Grosse dem Zuschauer. Natürlich sind Parallelen zum Fall der BMW-Erbin Susanne Klatten unübersehbar, die 2008 mit heimlich gedrehten Sexvideos erpresst worden war.

Die ARD hatte diese spektakuläre Geschichte schon einmal verfilmt, mit Christine Neubauer und Hans-Werner Meyer in "Kennen Sie Ihren Liebhaber?" (2012). Doch "In der Falle" ist um Klassen besser: Die Blautöne des Films erzeugen eine gewisse Kühle, und die Dialoge sind punktgenau: "Ist denn irgendwas echt gewesen?", fragt sie. - "Ja, Dein Stöhnen beim Sex", antwortet er. Am besten aber sind die Schauspieler: Claudia Michelsen (46,
"Stärke 6", "Grenzgang") spielt die Wandlung der so furchtbar kontrollierten Frau, die aus ihrem festgezurrten Leben ausbrechen möchte, mit zunächst großer Zurückhaltung und dann mit umso größerer Leidenschaft und Verletzlichkeit; Michael Rotschopf (46, "Stralsund") als charmanter und (sexuell) attraktiver Mann, der genau spürt, was ihr fehlt, steht ihr dabei in nichts nach. Den beiden nimmt man dieses Paar, das sich in ungeahnte Emotionen und Abgründe verstrickt, jederzeit ab. Schade eigentlich, dass die Geschichte um Begehren und Fallenlassen mit solch einer bösen Intrige enden muss.

DPA

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