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Tankstellen: Ölkonzerne bestreiten Benzin-Abzocke

Der Ölpreis ist in den vergangenen Wochen deutlich gefallen. An deutschen Tankstellen hat sich dies aber kaum bemerkbar gemacht. Die Speditionsbranche stöhnt, und der ADAC erhebt schwere Vorwürfe gegen die Mineralölkonzerne. Die weisen jegliche Kritik von sich. Die Autofahrer brauchen Geduld.

Wer derzeit mit seinem Auto eine Tankstelle ansteuert, hat keine große Freude. 1,47 Euro kostete der Liter Normalbenzin am Mittwoch nach Angaben des Automobilclubs ADAC im Schnitt in Deutschland. Das sind rund drei Cent mehr als noch Anfang der Woche.

Dass der hohe Benzinpreis extrem am Portemonnaie der Bürger nagt, ist nicht wirklich neu oder überraschend. Seit Monaten kennen die Preise an den Tankstellen fast nur eine Richtung: nach oben. Bis vor wenigen Wochen hatten die Mineralölkonzerne mit dem rasant steigenden Ölpreis aber immer ein gutes Argument an der Hand, die Entwicklung zu begründen.

Entspannung am Ölmarkt

In der Zwischenzeit hat sich jedoch die Lage an den internationalen Rohstoffmärkten erheblich entspannt. Der Preis für ein Barrel Rohöl (je 159 Liter) ist deutlich gefallen. Kostete ein Fass am 11. Juli noch 147 Dollar so sind es derzeit nur knapp 119 Dollar. Auch der Preis für Superbenzin am Großhandelsmarkt in Rotterdam hat erheblich nachgelassen, Seit Montag ist er nach Angaben des Energie Informationsdienstes (EID) um 70 Dollar je Tonne gefallen. "Erstmals seit langer Zeit ist Super damit wieder unter 1000 Dollar pro Tonne zu haben", sagt EID-Experte Rainer Wiek.

An den Tankstellen hat diese Entwicklung zum Unbill der Wirtschaft und der Autobesitzer aber nur zu geringen Preisänderungen geführt. "Preissenkungen werden kaum weitergegeben, Preiserhöhungen aber gleich draufgeschlagen", sagt Adolf Zobel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). "Das ist für uns sehr unbefriedigend." Die Speditionsbranche ist extrem abhängig vom Preis an den Zapfsäulen. "Das Kartellamt sollte da genau hinschauen, ob Gewinne einbehalten werden und nicht an die Kunden weitergegeben werden", fordert er.

Ähnlich kritisch äußert sich auch der Automobilclub ADAC. "Der sinkende Ölpreis muss direkt an die Tankstellen weitergegeben werden", sagt Pressesprecher Andreas Hölzel. "Es entsteht aber der Eindruck, dass die Mineralölkonzerne die höhere Nachfrage in der Ferienzeit zu ihren Gunsten ausnutzen wollen."

Kartellamt untersucht Branche

Jedes Jahr aufs Neue werden die Mineralölkonzerne beschuldigt, ihre Marktmacht zu Ungunsten der Autofahrer auszunutzen. Der Mineralölwirtschaftsverband will jedoch von Abzocke nichts wissen. "Wir haben sogar mehr an die Kunden weitergegeben, als wir selbst über die gesunkenen Preise bekommen haben", sagt Hauptgeschäftsführer Klaus Picard.

Der Benzinpreis in Rotterdam sei seit Anfang Juli um sieben Cent gefallen - an der Tankstelle sei der Liter Benzin aber um bis zu 13 Cent günstiger geworden. "Es herrscht ein harter Wettbewerb in Deutschland", betont Picard. Preissenkungen an den Großhandelsmärkten würden deshalb sofort an den Tankstellen sichtbar. Der Ölpreis bestimme den Benzinpreis zudem nur zu 40 Prozent, der Rest seien Steuern und Abgaben.

Trotzdem hat das Kartellamt bereits im Mai eine so genannte Sektoruntersuchung eingeleitet. "Wir haben diverse Beschwerden von Bürgern und auch freien Tankstellen erhalten", erläutert eine Sprecherin. Es bestehe die Vermutung, dass der Wettbewerb in der Branche "eingeschränkt oder verfälscht" sei. Ein erster Zwischenbericht soll Ende des Jahres veröffentlich werden. Bis dahin müssen sich die Autofahrer in Deutschland noch gedulden.

msg