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Tarifstreit: Bahn macht Lokführern neues Angebot

Um den angedrohten Streik doch noch abzuwenden, will die Deutsche Bahn in der Tarifrunde mit der Lokführergewerkschaft GDL offenbar ein neues Angebot vorlegen. Diese sprechen von einer "letzten Chance".

Im Tarifstreit mit den Lokführern will die Bahn AG einen neues Angebot vorlegen. Zugleich wurde am Donnerstag aus Bahnkreisen bekannt, dass sie mit allen drei Gewerkschaften über ein neues Vergütungssystem verhandeln will.

Geheimtreffen mit Gewerkschaftsspitzen

Vor der Tarifrunde mit der GDL, die bei einem Scheitern Urabstimmungen über Streiks einleiten will, will der Bahn-Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn mit den Chefs der drei für seine Mitarbeiter zuständigen Gewerkschaften zu einem Gespräch zusammenkommen. Die Einladung an die Vorsitzenden der Transnet, Norbert Hansen, der GDBA, Klaus-Dieter Hommel und der GDL, Manfred Schell, bestätigte die Bahnzunächst nicht.

Der GDL will die Bahn einen Tarifvertrag zum Thema "Berufs- und Ausbildungsfragen für Lokführer" anbieten. Sie begründete ihr neues Angebot mit dem Ziel, neue Streiks unbedingt vermeiden zu wollen. Bahnkreise legten allerdings Wert auf die Feststellung, dass es sich "nicht um einen Spartentarifvertrag für Lokführer handelt".

Neues Vergütungssystem

Die Bahn strebe ein Tarifsystem an, das gut ausgebildete und leistungsstarke Mitarbeiter auch finanziell belohnt, hieß es aus Verhandlungskreisen. Auf diese Weise könnte auch die Forderung der überdurchschnittlich qualifizierten Lokführer nach einer deutlichen Lohnerhöhung erfüllt werden. Einen Spartentarifvertrag für das Fahrpersonal wolle die Bahn hingegen unbedingt verhindern.

Konkret hieß es, die Bahn sei bereit, "ein Vergütungssystem zu entwickeln, nach dem künftig alle Mitarbeiter besser nach Leistung und Qualifizierung bezahlt werden", hieß es. In diese Verhandlungen müssten allerdings alle Gewerkschaften einbezogen werden. GDL-Chef Schell hatte sich am frühen Morgen im ZDF eher pessimistisch zum Ausgang der Tarifrunde gezeigt. "Bei uns muss es mehr sein", sagte er. Der Gewerkschafts-Vorsitzende verteidigte die im Vergleich zu anderen Bahnangestellten höheren Forderungen. Lokführer hätten bei ihren Fahrten teils eine hohe Verantwortung für im Schnitt bis zu 600 Menschen. Außerdem sei der Schichtdienst sehr unregelmäßig. "Das sind Besonderheiten, denen gilt es Rechnung zu tragen."

Lokführer sprechen von "letzter Chance"

Die GDL hatte die Verhandlungsrunde als letzte Chance für eine friedliche Lösung bezeichnet. Die Bahn hatte bislang angekündigt, sie werde nicht über den Abschluss hinausgehen, den sie mit Transnet und GDBA erzielt hat. Dieser sieht 4,5 Prozent mehr Geld zum 1. Januar 2008 und eine Einmalzahlung von 600 Euro vor. Für das Fall, dass die Bahn nicht nachbessern sollte, hatte die GDL damit gedroht, die Urabstimmung einzuleiten. Die Gewerkschaft fordert für Lokführer, Zugbegleiter und Service-Mitarbeiter einen eigenen Tarifvertrag, deutlich über 20 Prozent mehr Geld und eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 41 auf 40 Stunden.

DPA / DPA