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Telekom-Datenskandal: Aufsichtsrat wettert gegen Obermann

Fast jede Woche eine neue Datenpanne: T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm hat jetzt die Konzernführung der Telekom für die Probleme verantwortlich gemacht. In einem Zeitungsinterview klagte er, der Konzern verhalte sich wie eine Klitsche, die von einer Garage aus agiere.

Nach dem Bekanntwerden der neuerlichen Datenpanne bei der Telekom wächst in dem Unternehmen die Kritik an der Konzernführung. "Da verliert ja der letzte Kunde sein Vertrauen", sagte T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm der "Frankfurter Rundschau". "Unsere Mitarbeiter werden mit Hohn und Spott überschüttet." Die Telekom sehe ihr Zukunftsgeschäft im Datentransfer, verhalte sich aber wie eine Klitsche, die von einer Garage aus agiere, wetterte Wilhelm.

Wilhelm erklärte, der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann erwecke den Eindruck, als seien Mitarbeiter an dem Desaster schuld, die besser geschult werden müssten. Verantwortlich für die Strukturprobleme sei aber die Konzernführung. Der Vorstand müsse personelle Konsequenzen ziehen, wenn ständig Pannen aufträten. Der Aufsichtsrat werde über die Datenpannen regelmäßig im Dunkeln gelassen. Als Haupteigentümer hätten das Bundesfinanzministerium und die Kreditanstalt für Wiederaufbau eine Verpflichtung einzugreifen.

Am Wochenende war erneut ein Sicherheitsleck bei sensiblen Kundendaten der Telekom bekannt geworden. Bis vor kurzem seien die Daten von mehr als 30 Millionen Handy-Kunden inklusive Bankdaten von jedem beliebigen Internet-Rechner in der ganzen Welt ohne großen Aufwand abrufbar und sogar manipulierbar gewesen, berichtete der "Spiegel". Erst nach einem Hinweis des Magazins schloss die Telekom die Lücke in der Nacht zum Freitag.

Nach dem wiederholten Diebstahl von Kundendaten hatte die Telekom am Freitag angekündigt, mit einem Sofortprogramm ihre Sicherheitssysteme zu überarbeiten. Konzernchef René Obermann kündigte die Berufung eines neuen Vorstands für Datenschutz an.

DPA / DPA