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Telekom Staatsanwalt ermittelt gegen Obermann


Nicht nur die Telekom und ihr Geschäftsgebaren stehen im Visier der Staatsanwaltschaft: Die Justiz ermittelt gegen den Chef René Obermann persönlich. Er soll in eine Korruptionsaffäre auf dem Balkan verwickelt sein.

Die Korruptionsermittlungen bei der Telekom richten sich nun auch gegen Vorstandschef René Obermann. Insgesamt habe die Staatsanwaltschaft gegen acht Betroffene, darunter auch Nicht-Telekom-Beschäftigte, "auf Grundlage eines Rechtshilfeersuchens der US-Behörden ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit vermuteten Bestechungshandlungen in Mazedonien und Montenegro eingeleitet", heißt es in einer Erklärung der Telekom vom Dienstagabend. "Zu den Betroffenen gehört auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG."

Damit bestätigte das Unternehmen einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Obermann weist laut Mitteilung die gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe als falsch zurück. "Die Deutsche Telekom duldet Korruption in keinem Bereich des internationalen Konzerns." Ausdrücklich weist die Telekom darauf hin, dass gegen Obermann im Rahmen von seit vier Jahren laufenden US-Ermittlungen "in keinem Stadium" ein persönlicher Vorwurf erhoben worden sei.

Unklar, wer Beschuldigter ist und wer Zeuge

Ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft sagte am Dienstagabend: "Es ist beileibe nicht klar, wer Beschuldigter ist und wer ist Zeuge." Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, "dass dieser Vorgang zugeklappt wird". Bei der Prüfung von Unterlagen im Zusammenhang mit dem US-Rechtshilfeersuchen sei ein "Anfangsverdacht gegen verschiedene Personen" aufgekommen. "Wir schauen jetzt, ob sich dieser Anfangsverdacht ausräumen lässt."

Bei den Untersuchungen geht es um Vorgänge aus dem Jahr 2005 auf dem Balkan. Im Zentrum steht die ungarische Tochter Magyar Telekom, die wiederum an Telekomunternehmen in Mazedonien und Montenegro beteiligt ist.

Obermann wird vorgeworfen, dass er im Rahmen eines Treffens mit dem Vorsitzenden der Makedonski Telekom (MakTel) im Jahre 2005 die Zustimmung zu Dividendenzahlungen der MakTel davon abhängig gemacht habe, dass eine geplante Öffnung des mazedonischen Telekommunikationsmarktes für andere Wettbewerber unterbleibt. Dabei beziehe sich die Staatsanwaltschaft auf das US-Rechtshilfeersuchen, "welches uns bislang noch nicht bekannt ist".

Obermann war zu der Zeit Chef der internationalen Mobilfunksparte der Telekom und trieb die Expansion in Osteuropa voran. Von einer ungarischen Telekom-Tochter eingeschaltete Wirtschaftsprüfer stießen demnach zwar auf verdächtige Verträge mit einem Volumen von insgesamt gut 30 Millionen Euro. In Aufsichtsratskreisen der Telekom würden die Verdachtsmomente als "absurd" betrachtet, berichtete die "SZ". Unverständlich sei der Zeitpunkt der Ermittlungen, nachdem die Telekom selbst die Vorgänge über Jahre hinweg untersucht und die Ergebnisse veröffentlicht habe. Die Wohnung des Telekom-Chefs und die die Bonner Konzernzentrale war nach Angaben aus Unternehmenskreisen bereits am 31. August durchsucht worden.

swd/DPA/AFP DPA

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