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TELEKOMMUNIKATION: Sonera will deutsches UMTS-Engagement reduzieren

Lange galt das finnische Unternehmen als führend bei der Entwicklung neuer Technologien für das Handy. Aus Finanznot werden jetzt alle Projekte zurückgeschnitten.

Der größte finnische Telekommunikationskonzern Sonera will sein europäisches Engagement für 3G, die dritte Generation von Handy-Systemen, trotz international erworbener UMTS- Lizenzen drastisch reduzieren. Wie das teilstaatliche Unternehmen in Helsinki mitteilte, sollen unter anderem in Deutschland keine weiteren Mittel für die mit dem spanischen Unternehmen Telefonica Moviles ersteigerte UMTS-Lizenz im Konsortium Group 3G bereitgestellt werden. Auf ein Minimum reduzieren will das stark verschuldete finnische Unternehmen sein geplantes 3G-Engagement in Italien und Spanien.

Kein Geld mehr

Der neue Sonera-Konzernchef Harri Koponen begründete die strategische Neuorientierung auf das heimische Kerngeschäft mit der »verspäteten Inbetriebnahme neuer Technologien«. Das nordeuropäische Unternehmen galt in den letzten Jahren unter anderem international als führend bei der Entwicklung und Einführung neuer Technologien wie der Nutzung des Handys als Zahlungsmittel anstelle von Kreditkarten. Die dafür zuständige Tochtergesellschaft SmartTrust soll jetzt wie andere Sonera-Teile entweder verkauft oder still gelegt werden.

Aktienemission um Finanzlöcher zu stopfen

Für das dritte Quartal wies Sonera einen Verlust vor Steuern von 352 Millionen ? (688 Millionen DM) gegenüber einem Gewinn von 781 Millionen ? im selben Vorjahreszeitraum aus. Der Umsatz wurde von 501 auf 549 Millionen ? gesteigert. Zum Abbau des Schuldenberges hat das Unternehmen auch alle Beteiligungen an der Deutschen Telekom zum Verkauf angeboten und teilweise bereits verkauft. Finnlands Regierung, die über 52,8 Prozent der Sonera-Aktien verfügt, signalisierte ebenfalls ihre Bereitschaft zur Beteiligung an einer Aktienemission, mit der Sonera insgesamt eine Milliarde Euro aufbringen will, die Hälfte davon aus der Staatskasse. Sonera hat 11.000 Beschäftigte.

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