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TELEKOMMUNIKATION: T-Online: Alles wird gut

Auf der turbulenten Hauptvesammlung wurde Aktionären ein höherer Aktienkurs zugesagt. Kein Wachstum mehr um jeden Preis.

Europas größter Internetzugangsanbieter T-Online hat seinen Aktionären nach dem deutlichen Kursrutsch des vergangenen Jahres eine bessere Wertentwicklung ihrer Anteile in Aussicht gestellt. Thomas Holtrop, Vorstandschef des seit gut einem Jahr am Neuen Markt gelisteten Unternehmens, sagte auf der ersten Hauptversammlung, mittlerweile würden sich die Anzeichen für eine Bodenbildung am Markt mehren. Er bekräftigte die Strategie des Konzerns, sich künftig stärker an der Profitabilität zu orientieren und nicht mehr um jeden Preis wachsen zu wollen. T-Online gab zudem die Gründung einer Risikokapitalgesellschaft bekannt, die mit einem Volumen von 100 Millionen Euro durch Investitionen in junge Unternehmen T-Online Zugang zu Innovationen verschaffen soll.

Ab 2003 soll Gewinn gemacht werden

Holtrop stellte den rund 2000 anwesenden Aktionären beim operativen Ergebnis (Ebitda) das Erreichen der Gewinnschwelle im Jahr 2003 in Aussicht. Im Inlandsgeschäft wird das Unternehmen bereits 2002 ein positives Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) erreichen. »Für 2001 und für die Zukunft konzentrieren wir uns auf die Ertragskraft, um die Performance unserer Aktie weiter zu optimieren«, sagte Holtrop. Im vergangenen Jahr hatte T-Online ein negatives Ebitda von 82,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Für 2001 geht das Unternehmen von einer Verdreifachung der Verluste bei einem um zehn bis 20 Prozent höheren Umsatz von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro aus. Eine Aussage dazu, ob und wann T-Online eine Dividende zahlen kann, wollte das Unternehmen nicht machen.

Kostenträchtige Auslandsbeteiligungen

Holtrop, der Anfang des Jahres den Vorstandsvorsitz von T-Online übernommen hatte, will sich außerdem auf eine bessere Auslastung der Kapazitäten und die Optimierung der Kostenstrukturen konzentrieren. Die ergebnisbelastenden Auslandsengagements in Frankreich, Spanien und Portugal gehörten auf ihren Märkten noch nicht wie geplant zu den drei jeweils führenden Anbietern. In Deutschland sieht Holtrop für T-Online als Marktführer noch erhebliches Wachstumpotenzial, da erst rund 30 Prozent aller Haushalte einen Internet-Anschluss haben. Zudem sind die Möglichkeiten für weitere Zuwächse bei den Geschäftskunden noch nicht ausgeschöpft.

Hoffnung auf angemessene Bewertung

Holtrop sagte zu der Kritik am Aktienkurs, er hoffe sehr, dass »wir nach den Turbulenzen unseres ersten Börsenjahres wieder auf dem Weg zu einer angemessenen Bewertung sind«. Er ist »nicht zufrieden mit dem Kurs unserer Aktie«. Auch der Vorsitzende des T-Online-Aufsichtsrats, Telekom-Chef Ron Sommer, nannte den Kurs der T-Online-Aktie »absolut unbefriedigend«. Er versprach, dafür zu sorgen, dass der Kurs wieder steigt. Die T-Online-Aktie war im April 2000 für 27 Euro an die Börse gebracht worden und hatte anschließend innerhalb weniger Wochen auf 48 Euro an Wert gewonnen. Seitdem hat die Aktie rund drei Viertel ihres Wertes verloren. Am Mittwoch gab der Kurs bis zum Nachmittag um drei Prozent auf 11,90 Euro nach.

Neuer Investmentfonds am Start

Der neu gegründete Investitionsfonds T-Online Venture Fonds soll nach den Angaben in den nächsten Monaten mit ersten Beteiligungen beginnen. Das Kapital soll in Internet-Unternehmen vor allem in Europa investiert werden. Der Fonds ist auch dazu gedacht, dass T-Online von Innovationen profitieren kann. Die Gesellschaft wird eigenständig neben der Risikokapitalgesellschaft der Konzernmutter Deutsche Telekom, T-Venture, agieren. Um Synergien, also Effizienzgewinne, zu erzielen, soll T-Online Venture Fonds aber von T-Venture verwaltet werden.

Harsche Kritik an Führungsspitze

Aktionärsvertreter übten auf der Hauptversammlung scharfe Kritik an der T-Online-Führung. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete das Branchenschwergewicht T-Online als »Moby Dick im Haifischbecken des Neuen Marktes«. Seit der Emission der Aktien habe eine »Kapitalvernichtung erster Güte« stattgefunden, woran die Umgruppierungen des Vorstandes nach dem Ausscheiden des damaligen Chefs Wolfgang Keuntje im Sommer vergangenen Jahres schuld sind. Der DSW kündigte deshalb an, dem Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

Aktionärsschützer verweigern Zustimmung

Auch dem geplanten Aktienoptionsplan für rund 540 Führungskräfte des Konzerns mit einem Volumen von rund 315 Millionen Euro wird man die Zustimmung verweigern, sagte ein DSW-Sprecher. Die zur Ausübung der Optionen notwendige Kurssteigerung um nur 25 Prozent läßt den Verdacht zu, dass das Management nicht mehr an eine zügige Rückkehr des Aktienkurses zum Emissionspreisniveau glaubt. Ein Kleinaktionär fasste seine Enttäuschung in der Abwandlung des Firmennamens T-Online in »Traurig Online« zusammen. Bei der Abstimmung über die Entlastung der Führungsgremien und über den Aktienoptionsplan war gleichwohl mit einer deutlichen Mehrheit zu rechnen, da die Deutsche Telekom rund 82 Prozent des Kapitals der T-Online hält.