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TERRORFOLGEN: Fluggesellschaften erhöhen Ticketpreise

Als Folge der Terroranschläge in den USA ziehen jetzt die Preise an. Auch die Lufthansa und LH Cargo erheben Ticket-Zuschlag für mehr Sicherheit.

Die deutschen Airlines ziehen als Folge der Terroranschläge in den USA die Preise an: Ab kommenden Montag erhebt die Lufthansa auf jedes Ticket einen Sicherheitszuschlag von acht Dollar (gegenwärtig 17,06 Mark). Das Unternehmen teilte mit, dass dies weltweit und für jeden Streckenabschnitt gilt. Die Deutsche BA plant ebenfalls einen Acht-Dollar-Zuschlag je Streckenabschnitt. Lufthansa Cargo kündigte einen Zuschlag von 0,15 Euro (30 Pfennig) je Kilo Frachtgewicht an.

Versicherungen stiegen dramatisch

Die Deutsche BA sieht sich »auf Grund der seit den Anschlägen in den USA entstandenen Mehraufwendungen« zur Einführung des Sicherheitszuschlags gezwungen. Neben den Mehrkosten für verstärkste Sicherheitsmaßnahmen ist die Deutsche BA von gestiegenen Versicherungsprämien betroffen. »Die Prämien wurden letzte Woche um das Achtfache erhöht und weitere Anhebungen sind zu erwarten«, sagte Rudolf Hengefeld, Leiter Verkauf & Marketing der Deutschen BA.

Mehrkosten werden weitergegeben

Auch die Lufthansa begründete den Schritt mitt den entstandenen Mehrkosten, die infolge der Terroranschläge in den USA entstandenen sind und die teilweise an ihre Passagiere weitergeben werden. »Der krisenbedingte Aufwand, etwa für Sicherheitsmaßnahmen, Versicherungsprämien und andere Fixkosten, ist branchenweit erheblich gestiegen«, so die Lufthansa weiter. Bereits ausgestellte und bezahlte Tickets sind nicht von der Erhöhung betroffen. Der Zuschlag wird künftig auf jedem Ticket-Coupon gesondert ausgewiesen.

Weniger Flüge in die USA

Außerdem reduziert das Unternehmen erneut seine Flüge in die USA. Unter anderem soll eine weitere Verbindung nach New York gestrichen werden, so dass Lufthansa noch vier Mal täglich nach New York fliegt. Die weiteren Reduzierungen betreffen den Angaben zufolge Verbindungen in die amerikanischen Städte Atlanta, Dallas, Houston, Philadelphia, Phoenix und Los Angeles. Insgesamt wird das Unternehmen mit diesen Reduzierungen 28 Flugzeuge freistellen. Den Schwerpunkt bildet der Nordatlantik mit einer Verringerung des Sitzplatzangebotes um rund 20 Prozent.

Auch Logistikfirma erhöht die Preise

Gleiches Bild bei Lufthansa Cargo. Das Unternehmen teilte mit, dass es als Resultat der tragischen Ereignisse »mit erheblichen Zusatzkosten belastet ist, die einen wirtschaftlichen Betrieb nicht mehr möglich machen«. Deswegen ist das Logistikunternehmen des Lufthansa-Konzerns gezwungen, ab dem 8. Oktober 2001 eine Security Surcharge von 0,15 Euro pro Kilogramm aktuellem Frachtgewicht zu erheben.

Preiserhöhung auch in den Niederlanden

Selbst die niederländischen Charterfluggesellschaften werden einen Sicherheitszuschlag einführen. Die Unternehmen Transavia, Martinair, Air Holland und Dutch Bird erheben ab dem 18. Oktober eine Gebühr von 25 Gulden (22 Mark/11 Euro) pro Flugticket und werden diesen Betrag in den kommenden Monaten verdoppeln, wie ein Sprecher der Charterlinien verkündete. Die niederländische Fluggesellschaft KLM kündigte Preiserhöhungen von fünf bis sieben Prozent für Frachtflüge ab November an. Zuvor hatte das Unternehmen bereits einen Aufschlag von fünf Dollar pro Ticket erhoben, um zusätzliche Antiterror-Maßnahmen zu bezahlen.

Ganze Branche stark getroffen

Die Luftfahrtbranche zählt zu den Industrien, die durch die mit entführten Flugzeugen verübten Anschlägen wirtschaftlich am stärksten betroffen sind. Rückläufigen Flugbuchungen aus Angst vor weiteren Angriffen stehen rapide steigenden Kosten für Versicherungen und Sicherheitsmaßnahmen gegenüber. Dabei schlägt zum Beispiel der Einsatz von so genannten »Sky Marshalls« in den Fliegern oder der Einbau gesicherter Cockpit-Türen ebenso zu Buche wie extrem höhere Versicherungsprämien bei zugleich gesenkten Haftungs-Leistungen etwa für Drittschäden durch Krieg und Terror. Weltweit reduzieren die Fluglinien Arbeitsplätze, Kapazitäten und auch Gewinnaussichten. Die Lufthansa schließt sogar einen operativen Verlust in diesem Jahr nicht aus.

Sicherheit als Marketing-Tool

Ungeachtet der immensen Belastungen für die Luftfahrtbranche sehen einige Branchenanalysten für die führenden Fluglinien in der derzeitigen Krise jedoch auch die Chance, sich zu profilieren. Das Thema Sicherheit hat nun eine deutlich höhere Bedeutung für Fluggäste, und Linien wie die Lufthansa könnten es als möglicherweise »Marketing-Tool« einsetzen, sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. »Die Sensitivität der Leute ist gestiegen. Früher war der Preis entscheidend, jetzt spielt die Sicherheit eine viel größere Rolle«, fügte er hinzu. Pieper schätzt allerdings auch die zusätzlichen Kosten allein für den teureren Versicherungsschutz auf möglicherweise 100 Millionen Euro jährlich.