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Teuerung: Rekord-Inflation im Euroraum

Die Teuerung hat in der Eurozone ein neues Rekordniveau erreicht: Die Jahresinflation stieg im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,3 Punkte auf 4,0 Prozent, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Preistreiber sind vor allem Heizöl und Kraftstoffe.

Explodierende Ölpreise haben im Juni für eine Rekordinflation im Euro-Raum gesorgt. Die Verbraucherpreise stiegen um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Montag in Brüssel mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Einführung der Statistik 1997. Der erst im Mai erreichte Rekord von 3,7 Prozent wurde damit unerwartet deutlich übertroffen. Auf die Verbraucher in den 15 Euro-Ländern rollt Experten zufolge in den kommenden Monaten eine noch kräftigere Preiswelle zu. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB ihrer für Donnerstag signalisierten Zinserhöhung eine weitere folgen lässt. Größter Preistreiber war Rohöl, dessen Preis sich binnen eines Jahres verdoppelt hat. Ein Fass kostete am Monatsende mit rund 143 Dollar so viel wie nie zuvor. Das Ölkartell erwartet im Sommer Preise zwischen 150 und 170 Dollar. Ökonomen rechnen deshalb mit einem weiteren Anstieg der Inflationsrate auf 4,2 oder 4,3 Prozent. "Das Thema Inflation wird in den kommenden Monaten noch an Brisanz gewinnen", sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil.

In Deutschland stiegen die Preise mit 3,3 Prozent vergleichsweise gering, auch wenn das die höchste Teuerungsrate seit fast 15 Jahren bedeutete. In Spanien wurde mit 5,1 Prozent die bislang höchste Inflationsrate ermittelt. In Belgien lag sie mit 5,8 Prozent so hoch wie seit fast 24 Jahren nicht mehr. Details zur Preisentwicklung nennt Eurostat bei Vorlage der endgültigen Zahlen am 16. Juli.

Mit vier Prozent liegt die Inflationsrate im Euro-Raum mittlerweile gut doppelt so hoch wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebt. Die Währungshüter sehen stabile Preise mittelfristig nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Die EZB wird deshalb voraussichtlich ihren Leitzins am Donnerstag zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr anheben - von 4,0 auf 4,25 Prozent.

Wegen der unerwartet starken Teuerung könnte noch ein weiterer Schritt folgen. "Das ist ein kleiner Schocker", sagte Volkswirt Gilles Moec von der Bank of America zu der Rekordinflation. "Das spielt den Falken im EZB-Rat in die Hände." So werden streng auf Preisstabilität ausgerichtete Währungshüter wie Bundesbankchef Axel Weber und EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark genannt. Bislang hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet lediglich eine ganze Serie von Zinserhöhungen ausgeschlossen, nicht aber eine zweite Anhebung.

Bei höheren Zinsen wird es für Banken und Sparkassen teurer, sich bei der Notenbank mit frischem Geld einzudecken. In der Folge steigen auch die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher, was Investitionen und Konsum und damit den Preisauftrieb dämpft. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hält wegen der massiv steigenden Teuerung weltweit höhere Leitzinsen für notwendig. "Angesichts der eindeutigen und aktuellen Inflationsgefahr und der in den meisten Ländern historisch gesehen sehr niedrigen realen Leitzinssätze scheint auf globaler Ebene eher eine Straffung der Geldpolitik angezeigt", heißt es im Jahresbericht der BIZ, die als Bank der Notenbanken bekannt ist.

Reuters/DPA / DPA / Reuters