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Vorwerk im Shitstorm: "Arglistige Täuschung"? Kunden sind sauer auf Thermomix - das sagt der Hersteller

Der Thermomix-Hersteller Vorwerk hat Probleme: Das Unternehmen will ein neues Thermomix-Modell an den Start bringen. Kunden, die sich kürzlich den Küchenhelfer angeschafft haben, sind sauer. Sie fürchten einen Wertverlust - und wollen klagen.

Thermomix TM6

Der neue Thermomix TM6 sorgt für Ärger bei Kunden, die erst kürzlich den Vorgänger erworben haben.

Hersteller

Ärger im Hause Vorwerk: Der Thermomix-Hersteller hat ein neues Modell des Kochgeräts angekündigt. Doch statt großer Freude herrscht bei den Fans des Geräts großer Frust. Gerade diejenigen, die sich erst kürzlich - zu Weihnachten beispielsweise - einen Thermomix angeschafft haben, fürchten nun um den Wertverlust.

In den sozialen Netzwerken machen die Kunden ihrem Ärger Luft. "Da möchte man echt mal prüfen lassen, ob es sich hier nicht um arglistige Täuschung usw. handelt", schreibt ein enttäuschter Kunde. "und was ist mit den verarschten Kunden, die im Februar den 5er gekauft haben? Denen man sagte, ein neues Modell kommt noch nicht? Die haben, so wie ich, ein Auslaufmodell zum vollen Preis kaufen müssen! Das nenne ich arglistige Täuschung", schreibt ein anderer User. 

Neuer Thermomix ab April 2019

Das neue Thermomixmodell TM6 soll im Gegensatz zum Vorgänger, dem TM5, auch Vakuum- und Niedriggaren beherrschen. Die größte Neuerung ist aber, dass der Thermomix nun auch braten kann. Dazu hat er eine direkte Verbindung zum Wlan, um auf die digitalen Rezepte zugreifen zu können. Dafür zahlen die Kunden eine zusätzliche Gebühr. Günstig war der Thermomix nie: Das Kochgerät kostete rund 1200 Euro, der neue TM6 wird derzeit für rund 1350 Euro angeboten.

Doch der Modellwechsel macht die Kunden sauer. "Wir haben bei dieser Thermomix Einführung tausende Kunden angeschrieben, die zwischen dem 20. Februar und 8. März einen Thermomix gekauft haben, und Ihnen aktiv ein individuelles Wechselangebot gemacht: ein Großteil dieser Kunden hatten bereits am Samstagvormittag ein Wechselangebot in ihrem Mail-Postfach, die anderen werden per Brief angeschrieben", lässt Thermomix den stern wissen. "Die Wechselangebote sind individuell und orientieren sich an der ursprünglichen Bestellung des Kunden." Dieses Angebot ist nicht gratis, sondern nur gegen Aufpreis erhältlich. Was Thermomix nicht sagt: Alle anderen Kunden, die vor dem Stichtag gekauft haben, gehen leer aus und haben viel Geld für ein Gerät ausgegeben, das zum Marktstart am 1. April alt aussieht.

Bei Thermomix mag man sich mit dem Shitstorm nicht so recht beschäftigen. Vielmehr sei man "stolz auf eine so große und lebendige Community", so der Hersteller zum stern. "Das freut uns als Hersteller sehr und wir sind uns sicher, dass unsere Nutzer auch in Zukunft viel Freude am Kochen mit dem Thermomix haben werden – egal welches Thermomix Modell sie nutzen."

Dass der Modellstart so holprig verlief und nun Kunden die Facebookseite des Thermomixes mit bösen Kommentaren fluten, muss sich Vorwerk allerdings selbst zuschreiben. Denn offenbar waren auch die eigenen Leute nicht von dem Modellwechsel informiert worden. So lässt das Facebook-Team von Thermomix die erzürnten User wissen: "Wir können eure Verärgerung verstehen und keiner von euch sollte sich betrogen fühlen! Unsere Repräsentantinnen waren über die Einführung des neuen Thermomix TM6 nicht informiert, genauso wie unser gesamtes Verkaufspersonal." Vorwek vertreibt den Thermomix weltweit über rund 630.000 selbstständige Vertreter, schreibt das "Handelsblatt". 

Thermomix TM6 - ein verpfuschter Modellwechsel?

Das gesamte Verkaufspersonal war nicht über die Neueinführung informiert? Das klingt nicht nach einem orchestrierten Produktstart. Selbst für Kenner kam der Wechsel vom TM5 auf den TM6 überraschend, denn der Thermomix hat lange Produktzyklen. Der Vorgänger, der TM31, wurde erst nach zehn Jahren abgelöst. Der jetzige Wechsel auf das neue Modell erfolgt bereits nach fünf Jahren. 

Auch beim letzten Wechsel des Modells gab es Ärger mit Kunden. Doch die nun verprellten Käufer wollen den möglichen Wertverlust nicht kampflos hinnehmen. Offenbar sammeln sich bei Facebook Käufer, um vor Gericht zu ziehen. In der Facebook-Gruppe "Musterfeststellungsklage Thermomix TM5 TM6" sammeln sich verärgerte Kunden, um sich dann an die Verbraucherzentrale zu wenden. Die wiederum darf Sammelklagen für geschädigte Verbraucher vor Gericht führen. 

Vorwerk kämpft mit Problemen

Der Shitstorm kommt für Vorwerk zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn der Modellwechsel sollte das schwächelnde Thermomix-Geschäft neu befeuern. Lange war der Hersteller erfolgsverwöhnt: Der Thermomix verkaufte sich prächtig, weltweit wurden laut "Handelsblatt" mehr als drei Millionen Küchenhelfer verkauft. Sogar die Discounter Aldi und Lidl wollten mitmischen und schickten günstige Nachahmer ins Rennen. 2017 kam dann der Knick: Die Verkäufe im wichtigsten Thermomix-Markt Deutschland brachen um 22 Prozent ein, weltweit sank der Umsatz um knapp 13 Prozent. Der Markt zeigte deutliche Sättigungsanzeichen.

Currywurst aus dem Thermomix
kg
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