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Küchenhelfer für 1200 Euro Der Thermomix-Boom ebbt ab - doch Vorwerk hat schon einen Plan

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Heute stelle ich Ihnen meinen neuen Mitbewohner vor. Das Gute an ihm ist, er kann kochen. Das ist eine Ergänzung zu mir. Ich kann nämlich nicht kochen. Das Schlechte: Er bezahlt keine Miete, im Gegenteil - er kostet 1000 Euro. Sogar ein bisschen mehr. Wollen wir doch mal einen Blick drauf werfen, ob sich das eigentlich lohnt. Das Besondere am Thermomix ist die "Guided-Cooking" Funktion. Das bedeutet, ich werde Schritt für Schritt durch meine geplanten Rezepte geleitet. Alles, was ich dafür brauche, ist dieser kleine Chip, auf dem die Rezepte gespeichert sind. Und das funktioniert super. Ein Kritikpunkt ist die langsame Geschwindigkeit seines Prozessors. Beim Einschalten gönnt er sich eine kleine Kreativpause oder auch eine größere. Da ist er.


Der Thermomix kocht zwar nicht von allein, aber gerade einem Koch-Legastheniker wie mir nimmt er wirklich Vieles ab. Gerichte wie ein Gulasch, Suppen oder Soßen, im Prinzip muss man eigentlich nichts mehr machen, außer die Zutaten reinschmeißen, abwarten und darauf vertrauen, das alles gut wird. Und in der Regel gelingt das auch sehr gut. Für Leute, die gerne mit Leidenschaft kochen und Freude daran haben, abzuschmecken und dem Essen dabei zuzuschauen, wie es gar wird und einfach den Kochvorgang sinnlich genießen ist, so ein Gerät sicherlich nicht die richtige Wahl. Sieht noch nicht ganz so aus wie im Restaurant, aber es soll ja auch schmecken und nicht gut aussehen. Schmeckt sensationell. Ein Kritikpunkt am Thermomix ist die immense Lautstärke, die beim Häckseln mitunter entsteht.
 
Mein Fazit: Sicherlich braucht kein Mensch eine Küchenmaschine für weit über 1000 Euro, aber für Koch-Legastheniker wie mich ist sie eine Erleichterung!
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Der Thermomix steht hierzulande in einer Million Küchen. Doch der große Boom ist vorbei. Vorwerk-Chef Reiner Strecker muss reagieren: Er will neue Märkte erobern und die Verkaufsstrategie anpassen. Und er setzt auf ein ganz neues Produkt.

Er kann rühren, mixen, kneten und hacken - für viele Deutsche ist der Thermomix der Heilige Gral des Haushalts. Hierzulande steht der Tausendsassa in mehr als einer Million Küchen. Dabei ist er alles andere als ein Schnäppchen: Stolze 1200 Euro kostet das aktuelle Modell, der Thermomix TM5. Und trotzdem stehen die Leute Schlange. Dem Unternehmen Vorwerk gelang es, eine schnöde Küchenmaschine zum Lifestyleobjekt zu adeln. Als der Hype am größten war, musste man bis zu 12 Wochen auf seinen Thermomix warten.  

Diese Zeiten sind vorbei: Heute hält man den neuen Thermomix bereits nach vier Tagen in den Händen. Das liegt vor allem an neuen Produktionsstätten in Deutschland und Frankreich, aber auch an der allmählich gesättigten Nachfrage. Lag das Wachstum 2015 noch bei unglaublichen 49,4 Prozent, erwirtschaftete Vorwerk im vergangenen Jahr nur noch ein Umsatzplus von elf Prozent in der Thermomix-Sparte. "Dabei blieb das operative Ergebnis aufgrund nicht vollständig erreichter Absatzziele leicht unter den Erwartungen", heißt es im aktuellen Geschäftsbericht. Dabei erhöhte der Konzern Anfang 2016 sogar den Preis für die Küchenmaschine um acht Prozent.

Der Thermomix wird international verkauft

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Vorwerk muss sich etwas einfallen lassen. Immerhin entscheidet der Thermomix maßgeblich über Wohl und Wehe des Konzerns. Der Thermomix ist für 42 Prozent des gesamten Umsatzes der Vorwerk-Gruppe verantwortlich, danach kommt die Staubsauger-Linie Kobold (27 Prozent).

Der Thermomix werde nun verstärkt in neue Länder gebracht, erklärte Vorwerk-Chef Reiner Strecker der "Welt". Wichtige Märkte seien derzeit China und die USA, ins Auge gefasst habe man außerdem Japan, Korea, Malaysia und Brasilien. In diesen Ländern hoffe man auf einen ähnlichen Boom wie in Deutschland vor einigen Jahren.

Vorwerk: Der Vertreter hat ausgedient

Dafür muss allerdings die Verkaufsstrategie angepasst werden. Die typischen Thermomix-Parties, bei denen ein Vertreter die Vorzüge der Küchenmaschine anpreist, sind in Asien keine Option. "In China wollen die Leute keine Vertreterbesuche", erklärt Strecker der "Welt". "Deswegen zeigen wir den Thermomix dort in angemieteten Küchenstudios." Mit den Show-Küchen erhofft man sich langfristig eine Absatzsteigerung von 20.000 auf 100.000 Geräte pro Jahr.

Auch in Deutschland verliert der klassische Vertreter an Bedeutung - weil tagsüber schlicht kaum noch jemand Zuhause ist, der überhaupt die Tür aufmachen könnte. Deshalb klingelt der Thermomix-Verkäufer nur noch nach vorheriger Absprache.

Der Thermomix ist aber nicht die einzige Hoffnung: Im Laufe des Jahres soll noch ein weiteres Produkt in den Handel kommen. Worum es sich dabei handelt, darüber möchte der Vorwerk-Chef noch nicht sprechen. Ob dem Konzern mit Sitz in Wuppertal noch einmal so ein großer Wurf gelingt wie mit dem Thermomix, wird sich zeigen.

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