HOME
Interview

Martin Richenhagen: Deutsch-amerikanischer Topmanager: "Trump nimmt sich auch Deutschland vor"

Topmanager Martin Richenhagen, einer der einflussreichsten Deutschen in Amerika, über Trumps Wirtschaftspolitik, Attacken per Twitter und die Frage, wie käuflich der Präsident ist.

Martin Richenhagen

Der Kölner Martin Richenhagen war verbeamteter Religionslehrer und Dressurreiter, bevor er in die Wirtschaft ging. Seit 2004 arbeitet er für AGCO in Georgia, einen der größten Traktorenhersteller der Welt. Als Vorstandschef verdient er 10 bis 12 Millionen Dollar im Jahr. Der US-Bürger ist Chairman der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern.

Herr Richenhagen, am 20. Januar ist Donald Trump als US-Präsident vereidigt worden. Ein guter Tag für Amerika?

Angesichts der weltweiten Politikverdrossenheit muss ich zunächst mal sagen: Sensationell, alle reden über ihn, Leute interessieren sich wieder für Politik. Er polarisiert. Und die Vereidigung eines neuen Präsidenten ist immer ein großes Ereignis. In der Parade sind sogar zwei unserer Traktoren mitgefahren.

Kennen Sie Donald Trump persönlich?

Nein, aber ich werde ihn am 23. Februar kennenlernen. Im Rahmen des "Business Council", eines Zusammenschlusses von rund hundert amerikanischen Firmenchefs. Trump will sich gleich mit uns treffen. Das ist ein positives Zeichen.

In Deutschland schütteln viele eher den Kopf: So ein Macho im Weißen Haus ...

Klar, mit großer Klappe. Aber man muss auch mal fragen, wie er empfangen wurde. Die USA sind die älteste Demokratie der Welt, die meisten Länder der Welt haben ihre Verfassung bei den Amerikanern abgeschrieben. War es clever, wenn eine "Jungdemokratin" wie Frau Merkel ihm eine Lektion erteilt? Oder wenn der deutsche Außenminister ihn "Hassprediger" nennt?

Sie haben nach der Wahl gesagt: gut, dass Hillary Clinton nicht gewonnen hat.

Das stimmt. Da hieß es sofort, ich sei ein Trump-Fan. Das bin ich aber gar nicht.

Sie haben auch die US-Staatsbürgerschaft. Haben Sie Trump gewählt?

Nein!

Also doch Clinton?

Nein. Es gibt auf den Wahlzetteln in Georgia ein Feld, in das man einen eigenen Vorschlag schreiben kann.

Und was haben Sie da geschrieben?

Paul Ryan. Und ich sag Ihnen was: Meine Kinder, vielleicht auch meine Frau und ein paar Freunde haben sogar mich gewählt. 

Trump vs. Arnie: So kontert Schwarzenegger Trumps Quotenwitz

Seit der Wahl steigen die Aktienkurse, die Börsen erreichen Höchststände. Gleichzeitig herrscht Unsicherheit, etwa beim Thema Freihandel. Ist Donald Trump gut oder schlecht für die Wirtschaft?

Fangen wir mal beim Negativen an: Die Wirtschaft liebt freie Märkte und wenig Regulierung. Jede Art von Protektionismus macht unser Leben schwerer.

Und genau damit droht Donald Trump. Rechnen Sie mit höheren Zöllen?

Es wird zumindest darüber diskutiert werden. Ich hoffe aber auf die Berater, die Trump um sich geschart hat. Und auch von uns Unternehmern wird er das noch mal ordentlich erklärt bekommen. Es heißt nur, er sei ein schlechter Zuhörer, mit einer Aufmerksamkeitsspanne von 30 Sekunden. Na ja, Obama hat auch nie zugehört.

Was erwarten Sie konkret von Trump?

Wir brauchen dringend eine Steuerreform. Momentan werden zum Beispiel unsere Gewinne aus Deutschland mit Fendt-Traktoren in den USA ein zweites Mal versteuert, wenn wir sie in die USA holen. Unser Unternehmen hat um die zwei Milliarden Dollar in Europa liegen, die wir darum in den USA nicht einsetzen können. Die Steuern sind generell zu hoch. Und auch das Thema Infrastruktur wird schnell angepackt werden. Außerdem erwarte ich Deregulierung bei den Banken, sie sind nach der Finanzkrise zu sehr eingeschränkt worden. Trump wird da schnell zu besseren Lösungen kommen.

Kein Wunder, in seinem Kabinett sitzen ja auch Leute von der Wall Street.

Ja, aber deswegen sind die nicht automatisch Kriminelle. Die werden pragmatische Dinge machen, die gut für das Land sind. Das gilt auch beim Umweltschutz.

Pragmatisch, das klingt, als sollte der Umweltschutz abgeschafft werden.

Nein, aber flexibler angewendet werden. Ich hoffe, dass Trump auch mal Gegenpositionen bezieht und nicht alles nachplappert. Ich glaube nicht, dass er die Umwelt verschmutzen möchte, aber er wird genauer hingucken.

Ist Trump anfällig für Lobbyisten?

Eher nicht.

Ist er ein freier Radikaler?

Ich vermute nicht, dass man ihn kaufen kann. Dafür ist er zu unabhängig. Ich habe gehört, dass man ihn am besten über seinen Schwiegersohn Jared Kushner erreicht. Auf den hört er.Und ich hoffe, er wird auch auf sein Kabinett hören. Das sind ja alles keine Abnicker, sondern Leute von unglaublichem Kaliber.

Oh ja, Milliardäre, frühere Manager, Banker. Nur fast alle politisch unerfahren.

Gott sei Dank! Das sind zwar Politamateure, aber auch absolut erfolgreiche Geschäftsleute. Ich kenne Rex Tillerson sehr gut, den künftigen Außenminister. Der war ein super überzeugender Vorstandschef. Wenn jemand Außenminister wird, der einen Laden wie den Ölkonzern Exxon über Jahre so erfolgreich führt, muss das nicht schlechter sein, als wenn das ein Taxifahrer wie Joschka Fischer macht. Dass die Minister reich sind, stört mich persönlich nicht. Mich beeindruckt eher, dass die längst nicht alle auf Trumps Wellenlänge sind. Rex ist ein absoluter Free-Trade-Verfechter – ganz anders als der Präsident.

Sie hoffen, dass Tillerson ihn zähmt?

Ja. Man muss zwischen Trumps Charakter und seinen Zielen unterscheiden. Er hat natürlich unmögliche Umgangsformen, ist unkorrekt und unhöflich, manchmal sogar rassistisch. Und er hat ein fragwürdiges Frauenbild. Aber auch eine erfrischende Direktheit. Er schießt das raus, was er in dem Moment so denkt.

Genau das kann einem ja Angst machen.

Erst mal muss man gelassen bleiben. Klar, er bedient sich moderner Medien wie Twitter – aber sogar der Heilige Vater twittert inzwischen. Trump macht das noch ziemlich ungefiltert. Deswegen sollte man davon immer nur die Hälfte glauben. Und auch ein Präsident kann per Twitter keine neuen Zölle einführen oder aus dem Freihandelsvertrag mit Mexiko austreten. Er droht nur, baut öffentlichen Druck auf.

Der Präsident hat nicht die Möglichkeit, den Freihandel zu stoppen?

Nein, auch der US-Präsident kann nicht tun, was er will, und einfach morgen den dritten Weltkrieg beginnen.

Dummerweise schon!

Nein. Da muss man realistisch sein. Er agiert nicht im rechtsfreien Raum. Es gibt ein politisches System, den Kongress, ein oberstes Gericht. Wenn er das ignoriert, sitzt er morgen im Gefängnis. Kein Präsident wird juristisch so viel Gegenwind bekommen wie Trump. In Deutschland sind alle vielleicht geschockt, in den USA herrscht Aufbruchstimmung. Jetzt ist vieles möglich. Zugegeben, die Latte liegt nicht sehr hoch, Obama war die Wirtschaft ja egal. Trump dagegen sieht sich als CEO der Amerika AG. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass er gegen das Freihandelsabkommen TTIP ist.

Wie bitte, Sie hoffen noch auf ein Abkommen? Eigentlich gilt es als gescheitert.

In Amerika war das Thema nie so umstritten wie in Europa. Man muss aber Verständnis für die Amerikaner haben: Die USA sind ein riesiger, attraktiver Markt. Die sitzen da wie ein Teddybär, und dann kommen alle möglichen Flöhe, setzen sich in den Pelz und versuchen möglichst viel abzubekommen: die Chinesen, die Europäer, besonders die Deutschen. Das man da irgendwann mal sagt: Wir müssen auch an unsere Jobs denken, make America great again, das ist doch verständlich.

Was bedeutet das für Deutschland? Wird es für uns als Exportweltmeister künftig ungemütlich?

Das glaube ich schon. Bisher hat Trump sich auf China und Mexiko konzentriert. Er wird sich auch Deutschland vornehmen. Aber das ist doch längst auch ein Thema in Europa: Wenn man in Italien, Spanien oder Frankreich ist – da sind alle nicht happy mit der Dominanz Deutschlands. Wir kommen an der Diskussion nicht vorbei.

Sind wir Deutschen die Bösen bei der Globalisierung?

Wir sind erst mal die Erfolgreicheren. Exportweltmeister ist eine tolle Leistung. Aber sie erzeugt Neid. Und wenn der Erfolg dann mit Betrug erreicht wurde, ist das schlecht. So was wie bei VW führt dazu, dass wir die Bösen sind. Oder wenn die Deutsche Bank irgendwo rumfummelt. Oder Siemens. Unser Ruf hat gelitten. 

Trump-Memes auf Twitter: Was Trump wirklich auf seine Dekrete zeichnet

Trump will die Konzerne dazu bewegen, ihre Fabriken in die USA zu verlegen. Ist es wirklich verwerflich, wenn Unternehmen im Ausland produzieren?

Viele der großen Unternehmen sind ja in den USA. Kaum ein großer Konzern ist wirklich ein Exportpirat. Direkt vor meiner Haustür in South Carolina steht zum Beispiel das größte BMW-Werk der Welt. Es sind eher die mittelständischen Unternehmen, die das Problem sind.

Trotzdem hat BMW nun Ärger mit Trump.

Ausgerechnet jetzt anzukündigen, Teile der Produktion nach Mexiko zu verlagern, war unclever. Ich hätte mich auch als BMW-Chef nicht gleich mit dem künftigen Präsidenten angelegt. Ungeschickt.

Trump hat zuletzt immer wieder einzelne Unternehmen öffentlich attackiert. GM, Ford, BMW. Hat das Methode?

Ja. Und das wird in gewisser Weise auch funktionieren. Denn bei Konsumprodukten kann sich das Verbraucherverhalten schnell ändern, wenn jemand den Finger in die Wunde legt.

Seine Twitter-Nachrichten bewegen die Aktienkurse betroffener Firmen. Lockheeds Wert sank nach einem Tweet um mehr als drei Milliarden Dollar.

Bei Obama ging nach großen Reden der Börsenkurs aller Unternehmen regelmäßig dramatisch zurück.

Und wenn es Sie trifft wie BMW?

Das wäre mir nicht passiert. Ich würde das Gespräch suchen. Trump will Deals machen. "Deal" ist ein salopper Ausdruck für ein nicht auf Fakten basiertes Geschäft. Als Student habe ich mit Pferden gehandelt, deswegen kann ich das. Bei Trump kommt da der Immobilienspekulant durch.

Sollten Politiker solche Deals machen?

Eigentlich sind sie in der Wirtschaft verpönt. Ein Deal hat aber auch etwas Gutes: Er beinhaltet die Einladung, einen Kompromiss zu suchen. Trump fordert 100 Prozent Produktion in den USA, macht dann aber einen Kompromiss, wenn man ihm erklärt, dass die Maximalforderung nicht geht. Ob die Deals alle wirklich wasserfest sind, die da gerade verkündet werden, wird sich noch zeigen. Erst mal geht es um PR.

Was, glauben Sie, ist Trumps großes Ziel?

Er will, dass es mehr Jobs gibt. Und er will, dass auch einfachere Leute davon leben können. Dass das nicht so ist, kann man sich in Deutschland nicht vorstellen.

Gerade hat Trump den neuen Landwirtschaftsminister ernannt. Ein gutes Zeichen für Ihr Geschäft mit Traktoren?

Sonny Perdue ist ein super Typ: Der war bei uns in Georgia Gouverneur. Ein gelernter Tierarzt. Der wohnt am Arsch der Welt auf dem Land und kennt das Thema. Vielleicht ist er ein bisschen alt. Aber das gilt ja für viele Minister: weiß, männlich, alt. Da fragt man sich schon, ob es nicht auch ein paar Junge gibt. Oder die eine oder andere kompetente Frau. Oder Schwule, Latinos, Schwarze. Das ist ziemlich unausgeglichen.

Würden Sie mit Trump essen gehen?

Nein.

Das glauben wir nicht.

Als Mensch meine ich. Das ist niemand, mit dem ich befreundet sein würde. Das ganze Umfeld, sein Geschmack, seine Frau, das ganze Gold – das ist nicht meine Welt. Mit dem Präsidenten Trump würde ich mich schon aus Neugier treffen. Außerdem habe ich von jedem Präsidenten ein Foto mit mir im Büro hängen. Das ist in Amerika ein Statussymbol.

Das Interview mit Martin Richenhagen erschien erstmals am 25. Januar im gedruckten stern

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(

Von:

Lukas Heiny und