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Trennung: Time Warner ist AOL bald los

Time Warner trennt sich von AOL. Die Internetsparte wird vom 10. Dezember an eigenständig an der Börse gehandelt. Damit endet für den US-Medienkonzern der größte Fehlschlag seiner Geschichte. AOL ist inzwischen zum Zwerg verkommen.

Acht Jahre nach dem 147 Milliarden Dollar teuren Kauf von AOL stößt der US-Medienkonzern Time Warner seine Internetsparte am 9. Dezember wieder ab. In der Retrospektive muss die seinerzeit gefeierte Riesen-Fusion als Desaster bezeichnet werden: Der Wert von AOL sank auf zuletzt noch rund 3,4 Milliarden Dollar, die Integration der beiden Unternehmen gelang nicht ansatzweise, zudem schwächelt das Internet-Geschäft von AOL seit Längerem. Der Börsenkurs von Time Warner hat unter dem Fusionsdebakel schwer gelitten.

Erstmals am 10. Dezember wird AOL an der New Yorker Börse wieder als eigenständiges Unternehmen gehandelt. Dieses gehört zunächst gleichwohl weiter den Aktionären von Time Warner: Sie erhalten jeweils eine AOL-Aktie für elf Anteilsscheine an Time Warner in ihrem Depot, wie der Konzern am Montag mitteilte.

Die rasante Geschichte von AOL

Derzeit arbeiten rund 6.900 Menschen für AOL, die mit einem drastischen Personalabbau rechnen müssen. Time Warner hatte die Trennung von AOL bereits im Mai angekündigt. Statt des Aufbruchs in eine rosige Medienzukunft als erstes voll integriertes Medien- und Kommunikationsunternehmen hatte der AOL-Deal Time Warner kräftige Verluste gebracht. Nach der Mega-Fusion 2001 wurden in den beiden kommenden Jahren fast 100 Milliarden Dollar abgeschrieben.

Aufstieg zum Weltkonzern und tiefer Fall - wofür andere Konzerne Jahrzehnte brauchen, benötigte AOL nur rund 15 Jahre. Einst hatte das Unternehmen das World Wide Web für Millionen von Menschen definiert. In den Anfangsjahren hatten die Amerikaner ihre Einnahmen vor allem über Einwählverbindungen - Dial-ups - gemacht. 26,7 Millionen Kunden kamen 2002 so ins Internet. In Deutschland war AOL größter Konkurrent der Telekom. Der Vormarsch von Breitbandverbindungen und Flatrates ließ diese Einnahmen aber rapide schrumpfen und machte AOL zu einem inzwischen fast schon unbedeutenden Player im Internetgeschäft.

AP / AP
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