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Wertverfall: Warum deutschen Urlaubern die billige Lira in der Türkei nicht viel hilft

Im Reiseland Türkei verfällt der Wert der Lira. Trotzdem werden Pauschalreisen für Deutsche nicht automatisch billiger. Auch bei Produkten aus der Türkei erwarten Experten keine Schnäppchenflut.

Der Verfall der türkischen Lira ist ein Wirtschaftsdrama. Doch deutsche Urlauber könnten zu den Profiteuren gehören, schließlich sind ihre Euro im Vergleich jetzt mehr wert. Vor einem Jahr bekam man für einen Euro vier Lira, heute sind es mehr als sieben. Für Touristen, die im Restaurant essen gehen oder auf dem Basar shoppen, ist das eine günstige Situation. Selbst wer schlecht verhandelt, zahlt für Souvenirs heute weniger als noch vor einigen Wochen.

Allerdings: So groß ist der Schnäppchenfaktor eines Türkeiurlaubs auch wieder nicht. Denn die meisten Deutschen buchen ihren Türkeiurlaub als Pauschalreise - gerne auch All-Inclusive. Bezahlt wird der in Euro, so viele Ausgaben in Lira fallen nicht mehr an.

Und die Euro-Preise für Pauschalreisen werden Experten zufolge kurzfristig wohl kaum purzeln. Zum einen haben die Reiseveranstalter ihre Hotel- und Flugkontinente langfristig verhandelt. Zum anderen zahlen sie diese in der Regel gar nicht in Lira. "Die Reiseveranstalter haben keine Preisvorteile durch den Werteverfall der Währung, da der Hoteleinkauf in Euro stattfindet", sagt Ralph Schiller, Geschäftsführer des Reiseveranstalters FTI, der F.A.Z.

Türkische Firmen lassen sich in Euro bezahlen

Aus dem gleichen Grund dürfen Deutsche auch nicht darauf hoffen, dass Textilien, Möbel und andere beliebte Produkte aus der Türkei hierzulande billiger werden. Türkische Exporteure würden in der aktuellen Situation darauf bestehen, in Euro bezahlt zu werden, sagt Alexander Kriwoluzky, Professor für Makroökonomie beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zum stern. "Ich denke nicht, dass sich türkische Produkte drastisch verbilligen werden."

Umgekehrt dürfte es für deutsche Exporteure in der Türkei allerdings schwerer werden, Produkte loszuwerden, da die Kaufkraft im Land sinkt. Das gilt vor allem für Autohersteller, Maschinenbauer und Chemiefirmen, die wichtigsten deutschen Exporteure in die Türkei. Dramatische Einbußen für die deutsche Wirtschaft insgesamt erwartet DIW-Experte Kriwoluzky aber nicht, da die Ausfuhren in die Türkei nur 1,7 Prozent der gesamten Exporte ausmachen. 

Bricht der Tourismus wieder ein?

Auf die Tourismusbranche könnte die Wirtschaftskrise mittelfristig trotz der Lira-Schwäche negative Auswirkungen haben. Nämlich dann, wenn die Angst vor wirtschaftlichem Chaos dafür sorgt, dass die Touristen einfach nicht mehr hinwollen, so wie vor einigen Jahren in Griechenland. 

Dabei hatten die Deutschen nach der Krise im deutsch-türkischen Verhältnis gerade erst wieder Vertrauen in die Türkei als Urlaubsland gefasst. Die Zahl der Buchungen bei den großen Reiseveranstaltern ist in diesem Jahr wieder deutlich gestiegen, erst im Juli hatte das Auswärtige Amt seine Reisehinweise entschärft. Doch Angst ist kein guter Reisebegleiter: Sollte die Lust auf Türkei-Reisen bald schon wieder nachlassen, dann dürften auch die Preise für Pauschalreisen sinken.