HOME

TUI: Jeder fünfte Job soll weg

Internet-Boom und Billigflieger, Rekordölpreis und Terrorangst - der Reisemarkt hat sich einschneidend verändert. Das trifft natürlich auch den Touristik-Riesen Tui. Der setzt auf eine Strukturreform als Rettung - und fängt mit Stellenstreichungen an.

Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen setzen die klassischen Tourismusveranstalter zunehmend unter Druck. Doch die Veränderung der Märkte sei Chance - nicht Bedrohung, hat der Chef des weltweiten Branchenprimus Tui, Michael Frenzel, als Devise ausgegeben. Und er hat den Konzerngesellschaften eine Strukturreform an Haupt und Gliedern verordnet. Jetzt macht die Tui in Deutschland ernst: Jede fünfte Stelle im touristischen Heimatmarkt wird gestrichen.

Auch Manager müssen gehen

Anders als in manchen anderen Unternehmen müssen zuerst Manager gehen. "Die Treppe wird von oben nach unten gekehrt" sagt Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher. Bei einer Verschmelzung der Preiswertmarke 1-2-Fly, der Edelmarke Airtours und der Reisebüro-Verwaltung Tui Leisure Travel Management unter dem Dach der Tui Deutschland GmbH bleiben von elf Geschäftsführern ab 1. Juli nur noch drei übrig. Insgesamt werden bis zu 400 von 2000 Jobs in Hannover Frankfurt und Neuss gestrichen.

Vorerst unberührt von der Umstrukturierung in Deutschland bleiben nur die Flugtöchter Hapagfly und Hapag-Lloyd Express und die Spezialveranstalter. Aber die Branche erwartet in nicht allzu langer Zeit auch eine neue Airlinestrategie der Tui sowie ebenfalls Fortentwicklungen im hoch lukrativen Geschäft mit Hotelbeteiligungen. Frenzel hat wiederholt einen Zuwachs bei den Hotelbetten angekündigt.

Hotelbeteiligung denkbar

Kosten senken, Effizienz steigern und neue Kundenschichten erschließen, heißt seine Strategie. Wie in der Autoindustrie verschiedene Modelle auf einer Plattform gebaut würden, so müsse auch die Tui ihre vorhandenen Strukturen besser ausnutzen. In Großbritannien hat die Restrukturierung bereits 2005 zu einer Ergebnisverbesserung von 40 Prozent geführt. Dort waren 1000 von 3000 Jobs gestrichen worden. Das Modell lasse sich aber nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, hieß es in der Konzernzentrale.

Schon im vergangenen Jahr hatte Frenzel als Ziel angekündigt, das Konzernergebnis (EBIT) in der Geschäftssparte Touristik bis 2008 auf 700 Millionen Euro gegenüber 2004 zu verdoppeln. Damit hat er sich weit aus dem Fenster gehängt. Denn noch ist die Tui mit einem EBIT von 360 Millionen Euro 2005 weit davon entfernt. Von geplanten 210 Millionen Euro Einsparungen entfallen 50 Millionen auf den deutschen Markt, der mehr als ein Drittel am gesamten touristischen Umsatz von 14,1 Milliarden Euro ausmacht.

Keine roten Zahlen

Von Krise kann bei der Tui zwar keine Rede sein. Von roten Zahlen ist sie weit entfernt und derzeit liefen auch die Sommerbuchungen gut, sagte ein Konzernsprecher. Aber auch wenn die Tui nicht wie andere Wettbewerber mit massiven Preisnachlässen auf die Buchungsflaute in den vergangenen Monaten reagiert hat, so sind doch die Gewinnmargen nach wie vor nicht üppig und der Preisdruck hält an.

Böttcher hat für die Tui in ihrem Kernmarkt Deutschland deshalb im vorigen Jahr die größte Umstrukturierung seit Jahren erarbeitet. Das anspruchsvolle Programm trägt den Namen des Hotels, in dem es ersonnen wurde: "Pelikan". Es sollte die Prozesse effizienter machen und die "Produktionslogik" völlig verändern, so radikal, dass es in der Branche mit einer "Operation am offenen Herzen" verglichen wurde.

"Pelikan" knabbert an Arbeitsplätzen

Doch obwohl die Umsätze für Pauschalreisen in Europa als ausgereizt gelten, war von Stellenabbau zunächst nicht die Rede. Schließlich waren bei Tui Deutschland schon 2003 - in der Krise nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 - rund 300 Jobs gestrichen worden. Aber jetzt kann die Tui-Spitze offensichtlich doch nicht anders: Der "Pelikan II" - das neue strategische Umbauprogramm - knabbert auch an den Arbeitsplätzen.

Eva Tasche/DPA / DPA