HOME

Überflugsrechte: Russland erpresst Lufthansa

Die russische Regierung hat die Lufthansa aufgefordert, ihr Frachtflug-Drehkreuz in Zentralasien von Kasachstan nach Russland zu verlagern. Seit Sonntag dürfen die Frachtflieger der Lufthansa russisches Gebiet nicht mehr überfliegen. Russische Stellen sprechen von einem "Vorschlag".

Von russischer Seite hieß es: "Wir haben unseren deutschen Kollegen am 22. Oktober einen Brief geschickt, in dem wir vorschlagen, künftig Krasnojarsk oder Nowosibirsk als Drehkreuz zu nutzen", bestätigte Timur Chikmatow, Sprecher des Verkehrsministeriums. "Bisher haben wir keine Antwort erhalten."

Überflugsverbot für Lufthansa-Frachtflieger

Russland verwehrt Lufthansa Cargo seit Sonntag, das eigene Territorium zu überfliegen. Der Anflug der kasachischen Hauptstadt Astana ist deshalb für die Airline weiter und teurer. Über den Grund für das Flugverbot gab es bislang lediglich die Vermutung, es handele sich um einen Streit über die Gebühren. Branchenexperten gehen nun aber davon aus, dass ein weiterer, wenn nicht der eigentliche Grund der massiv vorgetragene Wunsch der Russen ist, das Drehkreuz zu verlagern. Über Astana betreibt Lufthansa Cargo 49 Verbindungen in der Woche.

Die Airline führt nach Angaben aus der Branche Gespräche über eine Nutzung des Flughafens in Krasnojarsk als Drehkreuz in ihrem Cargogeschäft mit Ostasien. Konkrete Ergebnisse werden in wenigen Tagen erwartet. Lufthansa wollte sich nicht dazu äußern. Der Konzern zeigte sich aber skeptisch, was die dortigen technischen Standards angeht. "Krasnojarsk fehlt die notwendige Infrastruktur, um dort ein Drehkreuz zu betreiben", hieß es.

Eigentlich sollten Gebühren gesenkt werden

Die russische Luftfahrtbehörde hatte als Grund für das Überflugverbot genannt, dass eine bisherige Vereinbarung am 27. Oktober abgelaufen war und die Lufthansa keinen neuen Antrag gestellt habe. In russischen Medien wird darauf verwiesen, dass die Fluggesellschaft vor einem russisch-europäischen Luftfahrtgipfel im November auf das Problem der Gebühren aufmerksam machen wollte.

Russland und die EU hatten sich in den Verhandlungen über einen russischen Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO darauf geeinigt, die Gebühren bis 2013 Schritt für Schritt zu senken. Allerdings wurde das Abkommen bisher von russischer Seite nicht ratifiziert.

Auch andere betroffen?

Indes versuchen die Regierungen beider Länder, zu einer Lösung zu kommen. Das deutsche Verkehrsministerium hat mittlerweile prüfen lassen, ob außer Lufthansa Cargo auch andere Airlines von einem Flugverbot betroffen sind. Da dies nicht der Fall sei, werde auch nicht die EU-Kommission eingeschaltet, sagte eine Sprecherin. "Wir setzen nach wie vor auf eine politische Lösung", hieß es bei der Lufthansa.

FTD