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Übernahme: Google kauft Youtube

Nun ist es endlich bestätigt: Das Suchmachinen-Portal Google schnappt sich das beliebte Videoportal Youtube für 1,6 Milliarden Dollar. Damit sichert sich Google die führende Rolle im wachsenden Markt für Web-Videos.

Der Suchmaschinenbetreiber Google übernimmt das führende Internet-Videoportal Youtube für 1,65 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) in Aktien. Die Akquisition solle noch im vierten Quartal 2006 abgeschlossen werden, kündigte Google am Freitag nach Börsenschluss an. Mit der Übernahme bündeln zwei der meistgenutzten Internetangebote ihre Kräfte. Mit der rasant gewachsenen Start-up-Firma Youtube wird erstmals eine der neuen Websites, die auf der Beteiligung der Nutzer basieren, mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Spekulationen über das unmittelbar bevorstehende Geschäft hatten den Preis für Google-Aktien an der Nasdaq mehr als zwei Prozent auf 429 Dollar in die Höhe getrieben.

Youtube behalte seinen Firmensitz im kalifornischen San Bruno und arbeite weiterhin unabhängig, teilte Google weiter mit. Alle Youtube-Angestellten behielten ihre Arbeitsplätze. Wie viele Aktien für die Transaktion ausgegeben würden, werde nach dem Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage zwei Tage vor Abschluss der Akquisition bestimmt. Das Milliarden-Geschäft bedeutet eine Aufwertung für die Nutzer-orientierten Websites der neuen Generation.

Vertriebsvereinbarungen mit Musikindustrie

Google und Youtube hatten zuvor mitgeteilt, Vertriebsverträge mit der Musikindustrie geschlossen zu haben. Diese könnten juristische Hindernisse einer Übernahme beseitigt haben. Youtube war in die Kritik der Medienindustrie geraten, weil auf dem Portal auch von Nutzern eingestellte Video-Raubkopien abgerufen werden können. Am Montag erklärte nun die Universal Music Group, über die Verbreitung von Musikvideos auf der Youtube-Internetseite sei eine Verständigung erzielt worden. Einen ähnlichen Vertrag hatte das Internet-Unternehmen bereits mit Warner Music unterzeichnet.

Weniger als eine halbe Stunde nach der Ankündigung von Universal Music teilte Google mit, seinerseits Verträge mit der Warner Music Group und Sony BMG zum Vertrieb von Musikvideos geschlossen haben. Auch Youtube kündigte einen Vertrag mit Sony BMG an, das der deutschen Bertelsmann AG und der japanischen Sony gehört.

Youtube - ein schneller Aufstieg

Youtube ist seit seiner Gründung im Februar 2005 rasant zum führenden Videoportal im Internet aufgestiegen. Nach Firmenangaben werden von der Youtube-Seite täglich rund 100 Millionen Videos abgerufen. Den Marktanteil von Youtube beziffert das Internet-Marktforschungsunternehmen Hitwise mit 47 Prozent. Wichtigste Konkurrenten sind das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehörende Portal MySpace mit 22 Prozent und das Google-Videoangebot mit elf Prozent Marktanteil. Google-Chef Eric Schmidt sagte, die Youtube-Übernahme sei Teil einer breit angelegten Strategie, in den wachsenden Markt für Videos im Internet zu investieren.

Der Schlusskurs der Google-Aktie erreichte im Sog der Übernahmespekulationen den höchsten Stand seit Ende April. Im nachbörslichen Handel legten sie nach einem kurzfristigen Rückgang weiter auf 432 Dollar zu. In den letzten zwei Handelstagen legte Google fast vier Milliarden Dollar an Marktwert zu - mehr als zwei Mal so viel wie der Kaufpreis für Youtube.

Reuters / Reuters