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Übernahmeangebot an MAN: Volkswagen will neuen Lkw-Riesen bilden

Schon länger war eine enge Zusammenarbeit von VW mit Lastwagenbauer MAN geplant. Nun macht Volkswagen Nägel mit Köpfen und erhöht seinen Aktienanteil bei MAN auf über 30 Prozent. Bei VW-Tochter Scania sind die Reaktionen zurückhaltend.

Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern will den Lastwagenbauer MAN übernehmen. Damit ebnet Europas größter Autobauer nach mehrjährigen Verhandlungen den Weg zur Bildung eines Lkw-Riesen zusammen mit seiner schwedischen Tochter Scania.

Den MAN-Aktionären bietet VW 95 Euro je Stammaktie an, wie der Konzern am Montag mitteilte. Der Preis je Vorzugspapier solle dem gewichteten inländischen Durchschnittskurs der MAN-Aktie während der vergangenen drei Monate entsprechen und dürfte damit in der Größenordnung von 60 Euro liegen. Damit entspricht VW den gesetzlichen Bedingungen, die beim Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent ein Pflichtangebot verlangen. VW gab zudem bekannt, nun über 30,47 Prozent der Stimmrechte an dem Münchener Maschinen- und Nutzfahrzeugkonzern zu halten, nachdem der Anteil bislang knapp unter dieser Schwelle lag.

"MAN und Scania werden durch die engere Zusammenarbeit ihre Profitabilität weiter steigern und damit zusätzlichen Wert für alle Aktionärsgruppen schaffen", sagte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

Zusammenarbeit war schon länger geplant

Volkswagen hatte schon vor längerem eine engere Zusammenarbeit der beiden Lastwagenherstellern MAN und Scania eingeleitet, war dabei aber nicht so rasch vorangekommen wie von dem mächtigen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech gefordert. Gründe dafür waren neben Widerständen bei beiden Unternehmen vor allem kartellrechtliche Hürden. Für eine Vertiefung der Zusammenarbeit seien fusionskontrollrechtliche Genehmigungen und eine weitere Aufstockung des VW-Anteils an MAN nötig, stellte der Wolfsburger Konzern fest. Daher habe der Vorstand beschlossen, die dafür nötigen Voraussetzungen zu schaffen, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn.

Der schwedische Hersteller Scania reagierte zurückhaltend. Ein Sprecher sagte, Volkswagen habe selbst erklärt, dass damit der Prozess einer zunehmenden Verknüpfung von Scania und MAN erleichtert werden solle. "Das ist sicher richtig. Wir haben schon lange unser Interesse an einer Zusammenarbeit mit MAN in gewissen Bereichen erklärt." Weiter wolle man den Schritt des eigenen Mehrheitseigners nicht kommentieren.

Bei dem schwedischen Lastwagen- und Bushersteller verfügt der Wolfsburger Konzern bereits mit knapp 72 Prozent der Stimmrechte über die Mehrheit. Scania-Konzernchef Leif Östling, der sich 2007 erfolgreich gegen einen Übernahmeversuch durch MAN gewehrt hatte, bekam vor einer Woche seinen Vertrag um drei Jahre verlängert.

mlr/Reuters/DPA / DPA / Reuters