HOME

Übernahmeschlacht: Anheuser spielt nationalen Trumpf aus

Der Druck auf den Anheuser-Chef wird immer größer. Nun greift August Busch in die politische Trickkiste, um die drohende Übernahme durch Inbev doch noch abzuwenden. Nicht nur Barack Obama ergreift Partei für den Bier-Brauer - auch Inbevs Geschäfte mit einem amerikanischen Erzgegner könnten den Kauf torpedieren.

Von Frank Lassak

Im Kampf gegen die drohende feindliche Übernahme durch den brasilianisch-belgischen Braukonzern Inbev spielt der US-Brauer Anheuser-Busch (AB) jetzt die politische Karte aus: Weil Inbev Geschäfte mit der kubanischen Regierung tätige, dürfe der Konzern den US-Traditionsbrauer nicht übernehmen, argumentieren die AB-Anwälte. US-Firmen ist es aufgrund des noch immer geltenden Handelsembargos verboten, mit den Behörden der sozialistischen Inselrepublik Geschäfte abzuwickeln. AB habe Inbev um eine Stellungnahme gebeten, ob dessen Management im Falle einer Übernahme die Verbindung mit Kuba zu kappen gewillt sei. Eine Antwort stehe noch aus.

"Das ist ein brillanter, aber zugleich verzweifelter Schachzug", sagt Anthony Sabino, Professor für Wirtschaftsrecht an der St. John's University in New York. Anheuser-Busch werde dadurch die drohende Übernahme zwar nicht verhindern können, aber "sie werfen Inbev ein weiteres Hindernis in den Weg". Der amtierende AB-Vorstand wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Übernahme und hat das 46,3 Milliarden Dollar schwere Angebot Inbevs kategorisch abgelehnt. Seit Montag droht dem Vorstand die Entmachtung, weil Inbev einen entsprechenden Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC gestellt hatte. Insider gehen davon aus, dass sich die Übernahmeschlacht noch bis in den Herbst fortsetzen werde.

Kuba-Geschäft kein Hindernis für geplante Anheuser-Übernahme

"Wer am Ertrinken ist, klammert sich notfalls an einen Strohhalm", sagt John Coffee, Professor an der Columbia University Law School, mit Blick auf die bedrängte Situation von Anheuser-Chef August Busch IV. Freilich wäre es für Inbev ein Leichtes, die Kuba-Connection zu beenden. Doch das ist nach Ansicht des Braukonzerns gar nicht nötig. Denn das Geschäft mit den Kubanern verstoße weder gegen US- noch gegen andere Gesetze. Überdies sei das Volumen äußerst klein und steuere nur 0,5 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Auch Todd Malan, Chef der US-Lobbyvereinigung Organization for International Investment, sieht in Inbevs Kuba-Geschäft "kein Hindernis für die geplante Anheuser-Übernahme". Busch suche bloß nach "hässlichen Argumenten", die er Inbev-Chef Carlos Brito entgegenschleudern könne. Geschäfte mit Kuba hätten noch keinem Konzern geschadet, der ein US-Unternehmen kaufen will, sagt Malan.

Obama will amerikanische Lösung für Budweiser

Gleichwohl hat Inbevs Angebot für den Traditionsbrauer aus St. Louis inzwischen nicht nur Politiker aus der amerikanischen Provinz in Rage versetzt. Am Montag schaltete sich auch der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama in die Debatte ein und sagte, es sei "eine Schande, dass ein US-Unternehmen mit solch langer und ruhmreicher Geschichte" von einem ausländischen Wettbewerber übernommen werden könnte. "Wir werden zwar kein Gesetz verabschieden können, um diese Übernahme zu verhindern, aber wir sollten alles in Bewegung setzen, um eine amerikanische Lösung für Budweiser, also für Anheuser-Busch zu finden", sagte Obama.

Und die könnte so aussehen, fordern einige Politiker, dass am Ende das Finanzministerium sein Veto einlegt. Die Behörde überprüft Firmenkäufe, sobald sie Fragen der nationalen Sicherheit berühren, etwa in der Telekommunikations-, IT- und Infrastrukturbranche. Aber auch bei Bier? Wirtschaftsrechtler Sabino winkt ab: "Bier ist gewiss kein Produkt, das für Fragen der inneren Sicherheit relevant ist."

FTD
Themen in diesem Artikel