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Umstrittene Vorteile für Ärzte: Novartis will Transparenzbeirat einrichten

Der Pharmakonzern Novartis reagiert auf stern-Berichte über Vorteilsgewährung an Ärzte im vergangenen Jahr: Im stern-Interview kündigt Deutschland-Chef Peter Maag einen externen Transparenzrat an. Der soll auf die Einhaltung der Unternehmens-Richtlinien achten.

Das Pharmaunternehmen Novartis will nach Berichten über Vorteilsgewährung an Ärzte in Deutschland nun einen externen Transparenzbeirat einrichten. Das kündigte der Deutschland-Chef von Novartis Peter Maag in einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern an. Dieser Beirat solle in den kommenden Wochen aus "honorigen Ärzten, Verbraucherschützern und Vertretern der Öffentlichkeit" gebildet werden und "die Einhaltung unserer Richtlinien überwachen".

Das Pharmaunternehmen war in die Kritik geraten, nachdem der stern Ende vorigen Jahres enthüllt hatte, dass Novartis Ärzte etwa zu Vergnügungsreisen in den Spreewald eingeladen hatte. Außerdem wurde Tausenden Ärzten unter dem Deckmantel von Studien Geld dafür bezahlt, dass sie bevorzugt Novartis-Medikamente verordnen. Verstoßen hatte Novartis auch gegen die Höchstmenge der Musterpackungen, die kostenlos an Ärzte abgegeben werden dürfen.

Als Strafe für die Vergnügungsreise hat Novartis ein Bußgeld des Vereins "Freiwillige Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie" in Höhe von 50.000 Euro akzeptiert.

Mit dem nun angekündigten Beirat will Novartis in die Offensive gehen und sein lädiertes Image aufbessern. Über die Vergangenheit sagte Deutschland-Chef Peter Maag: "Sicherlich gab es da Verfehlungen, die man auch nicht wegdiskutieren kann. Wir haben die Konsequenzen gezogen. Verstöße werden nicht toleriert. Hier bin auch ich als Person gefragt, dass diese Verfehlungen in Zukunft nicht mehr vorkommen."

Gegen eine "Kultur des Augenzwinkerns"

Mit dem Beirat betritt Novartis nun aber Neuland und geht, so Maag, "deutlich über die bisherige Selbstkontrolle der Pharmaindustrie hinaus". Maag wandte sich gleichzeitig gegen eine "Kultur des Augenzwinkerns", nach der der Chef eines Pharmaunternehmens zwar sagt, Korruption sei tabu, man vor Ort die Regeln aber weniger eng auslege.

Ebenfalls kündigte Maag im Interview mit dem stern an, dass Novartis in diesem Jahr rund 100 Stellen im Außendienst abbauen werde. "Die ganze Branche baut im Außendienst ab. Das liegt an den Rabattverträgen der Krankenkassen, aber auch an der Spezialisierung der Produkte."

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